Steinhäger und Pils statt Cocktails

Syrischer Flüchtling arbeitet im Weimarer Gasthaus "Zum Bahnhof" hinter der Theke

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Kein Neuling am Zapfhahn: Hussam Zidhan hat im Libanon als Barkeeper gearbeitet. Sein neuer Chef Uwe Homberger (links) beschäftigt ihn seit Mitte Januar im Gasthaus „Zum Bahnhof“.

Ahnatal. Mit Cocktails kennt sich Hussam Zidhan aus. Diese haben im Libanon so exotische Namen wie beispielsweise "Take me home", erzählt er.

Der Syrer hat in dem nur zwei Autostunden entfernten Nachbarland als Barkeeper hinter der Theke gestanden und ist zwischen Arbeitsstelle und seiner Heimatstadt Homs hin und her gependelt. Das war vor seiner Flucht vor dem Bürgerkrieg in Syrien. Vor knapp zweieinhalb Jahren kam er nach einer Odyssee mit anderen Geflüchteten nach Deutschland. Nun steht er wieder hinter der Theke. Das Gastwirtsehepaar Jutta und Uwe Homberger vom Gasthaus „Zum Bahnhof“ in Weimar hat den 32-Jährigen unbefristet eingestellt.

Erster richtiger Job

Seinen ersten richtigen Job in Deutschland hat der Syrer, der nach Stationen im Auffanglager Gießen und der inzwischen geschlossenen Flüchtlingsunterkunft im Druseltal eine Wohnung im Kasseler Stadtteil Rothenditmold gefunden hat, seiner Vermieterin mit zu verdanken. Sie stellte den Kontakt zu den Hombergers her, die Unterstützung für Thekendienst und Bedienung suchten. Uwe Homberger gab dem jungen Mann, der trotz eifrigen Deutsch lernens noch immer manchmal mit der Sprache zu kämpfen hat, eine Chance. Zidhan absolvierte ein vierwöchiges Praktikum. „Er ist pünktlich, freundlich und fleißig“, sagt Homberger. Das seien Eigenschaften, die man in der Branche kaum finde.

Der Gastwirt entschloss sich, dem Syrer einen festen Arbeitsvertrag zu geben. Er solle sich das gut überlegen, hätten ihm Einheimische gesagt, er könne Ärger mit der extremen Rechten bekommen, erzählt Homberger und fügt hinzu: „Die haben es gut gemeint“. Doch der Ahnataler steht zu seiner Entscheidung: Gutes Personal sei schwer zu finden, außerdem sei es wichtig, dass die Flüchtlinge ihr eigenes Geld verdienen.

Seit Mitte Januar steht Hussam nun am Zapfhahn, bedienen soll er auch. „Die Gäste hier sind nett, ich habe keine Probleme“, sagt der Syrer. Die Feinheiten muss er allerdings noch lernen. Wenn die Gäste einen Steinhäger, einen Grog oder einen „Toten Otto“ – die spezielle Bezeichnung für einen Schnaps – verlangen, schaut er noch hilfesuchend zu seinem Chef hinüber. Mit Alkohol an sich hat Zidhan keine Probleme. Denn er ist Christ. In Syrien hätten sie als Minderheit gegenüber den Moslems einen schweren Stand, erzählt der Syrer.

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