Zweites Gleis am Bahnhof in Weimar

Test von Kurhessenbahn und NVV: Regiotrams sollen pünktlicher werden

Soll zu Testzwecken geöffnet werden: Die Fußgängerschranke im Bahnhof Weimar vor dem Übergang zum zweiten Bahnsteig. Hoffen damit, Verspätungen der Züge zu reduzieren, Joachim Kuhn (Leiter der Kurhessenbahn/links) und Wolfgang Rausch, Geschäftsführer des NVV. Fotos: Schräer

Ahnatal. Verspätungen einzelner Kurhessenbahnen oder Regiotrams - auch ohne Sondersituationen durch Stürme wie Niklas - können einen kompletten Fahrplan durcheinanderbringen.

Speziell die Regiotrams waren über Monate auch wegen Unpünktlichkeiten in die Kritik geraten. „Um diese Probleme zu beseitigen, lassen wir nichts unversucht“, betont Wolfgang Rausch, Geschäftsführer des Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV).

Ab kommenden Dienstag soll es im Bahnhof Weimar einen weiteren Test im Kampf gegen Verspätungen geben. Dort wollen NVV und Kurhessenbahn über vier Wochen das Nebengleis im Bahnhof und damit den zweiten Bahnsteig nutzen.

Bislang spielten beide im Fahrbetrieb keine Rolle, wurde der Bereich zwischen Zierenberg und Heckershausen nur komplett einspurig befahren. Dies sei bei derzeitigem Fahrplan, wenn er geregelt ablaufe, auch ausreichend, sagt Rausch.

Aber, „je mehr Begegnungsstellen es gibt, desto flexibler kann man im Fahrplan reagieren“, betont Joachim Kuhn, Leiter der Kurhessenbahn. Und damit könnten möglicherweise entstandene Verspätungen wieder aufgeholt oder deren Auswirkung auf die weiteren Züge und Linien verringert werden. Ob dieser Effekt mit dem einbezogenen zweiten Gleis im Bahnhof Weimar erreicht werden kann, dies wolle man jetzt testen, sagen Kuhn und Rausch.

Kein Begegnungsverkehr: Derzeit nutzen Kurhessenbahn und Regiotram (Foto) nur das erste Gleis. Daher müssen Reisende auch nicht die Schienen überqueren, um auf den zweiten Bahnsteig zu kommen.

Ab Osterdienstag 6.15 Uhr werde dazu ein Mitarbeiter der Kurhessenbahn in orangener Warnweste am Bahnhof eingesetzt. Gebe es Verspätungen auf der Strecke, öffne dieser die sonst verschlossene und gesicherte Schranke, die den Weg über das Hauptgleis Richtung zweitem Bahnsteig sperrt. Und er sorge dafür, dass die Fahrgäste sicher den zweiten Bahnsteig erreichen, bevor eine Bahn einfährt.

Die Züge, die auf dem zweiten Gleis halten, brauchen laut Kuhn etwa eineinhalb Minuten länger für den Halt in Weimar, da durch die Weichen statt mit 80 bis 100 km/h nur mit Tempo 40 in den Bahnhof eingefahren werden könne.

Sollten NVV und Kurhessenbahn trotz dieser Zeitverzögerung dank des möglichen Begegnungsverkehrs Verspätungen aufholen, könnte das zweite Gleis dauerhaft aktiviert werden. Dann wären aber Umbauten nötig, sagt Kuhn.

Bei der kleinsten Lösung müsste eine automatische Fußgängerschranke für den Überweg zum zweiten Bahnsteig errichtet werden. Allein dies würde laut Rausch einen sechsstelligen Betrag kosten. Denn die automatische Schranke müsste in das komplette Signalsystem der Bahn eingebunden werden.

Die große Lösung wäre laut Chef der Kurhessenbahn ein kompletter Umbau des Bahnhofs mit schnelleren Weichen und neuem Außenbahnsteig. Verbunden mit so hohen Kosten, dass NVV-Chef Rausch eine solche Lösung für unrealistisch hält.

Hintergrund: Die Zeiten des Tests in Weimar 

Der Test im Bahnhof Weimar bei Verspätungen von Bahnen erfolgt über vier Wochen. Getestet wird:

• Dienstag, 7. April, bis einschließlich Samstag, 11. April;

• Montag, 13. April, bis Samstag, 18. April;

• Montag, 20. April, bis Samstag, 25. April;

• Montag, 27. April, bis einschließlich Donnerstag, 30. April;

an den Wochentagen jeweils von 6.15 bis 21.20 Uhr und samstags von 9.15 bis 17.20 Uhr. (mic)

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