Vereine klagen über Nachwuchsmangel: Was es ihnen schwer macht

Engagement in vielen Bereichen: Unser Bild zeigt den DAK-Firmenlauf, der vom FTSV Heckershausen organisiert wird. Foto:  Kisling/nh

Ahnatal. „Schuld ist die in den letzten Jahren deutlich zunehmende Bürokratie infolge einer geradezu inflationären Regelungswut der Behörden und Verwaltungsorgane, teilweise aber auch des Gesetzgebers", sagt Bernd Klenke zum immer höher werdenden Verwaltungsaufwand.

Der Finanzbeamte engagiert sich seit mehr als zwei Jahrzehnten ehrenamtlich. Seit 1997 steht er an der Spitze des FTSV Heckershausen.

AMTSGERICHT 

Jeder Verein benötigt eine Vereinssatzung, die beim jeweiligen Amtsgericht vorgelegt werden muss. „Wir haben als Vorlage die zwölfseitige Mustersatzung des Sportbunds verwendet und nur ein Wort verändert, was sofort bemängelt wurde“, berichtet Klenke. Der Verein lässt bei Satzungsänderungen deshalb das Gericht vorab prüfen, damit die Fassung auch vom Amtsgericht bewilligt wird.

FINANZAMT 

Problem: Ein Verein ist gemeinnützig und gemeinnützige Tätigkeiten sind steuerfrei. Gleichzeitig unterhalten viele eine Vereinsgaststätte, die ein steuerpflichtiger Geschäftsbetrieb ist. „Hier sind die Grenzen zu niedrig und der Verwaltungsaufwand zu hoch.“ Sobald ein Verein mehr als 17.500 Euro Umsatz im Jahr macht, muss Umsatzsteuer abgeführt werden.

GEMA 

Wenn ein Verein feiert und Musik spielen möchte, muss die Veranstaltung bei der Gema angemeldet werden. Die Gebühr richtet sich nach der Größe des Raums, der Höhe des Eintritts und der Anzahl der Gäste. „Seit die Gema-Gebühren erhöht wurden, wird es immer schwieriger, Veranstaltungen zu gestalten ohne am Ende draufzulegen“, sagt Klenke und ergänzt: „Hier wird nicht zwischen Vereinen und gewerblichen Veranstaltern unterschieden.“

GEZ 

Bernd Klenke

Seit 2013 müssen gemeinnützige Vereine Rundfunkbeitrage abführen. Mit der Verpflichtung, zumindest einen Rundfunkbeitrag pro Betriebsstätte, also fürs Vereinsheim und den Sitz der Geschäftsstelle, zu bezahlen. Wird die Geschäftsstelle hingegen beispielsweise in der Wohnung des Vorstands mitgeführt und zahlt der als Privatnutzer bereits den Standardbeitrag für seine Wohnung, dann entfällt der Beitrag.

BERUFSGENOSSENSCHAFT 

Die Verwaltungsberufsgenossenschaft ist eine Versicherung für im Verein tätige Übungsleiter. Die Vereine müssen für jeden Übungsleiter jährlich einen Fragebogen ausfüllen. Die Versicherung ist nur beitragsfrei, wenn der Übungsleiter weniger als 2400 Euro pro Jahr aus der nebenberuflichen Tätigkeit erhält.

RENTENVERSICHERUNG 

Mit im Verein ehrenamtlich Tätigen muss ein Vertrag geschlossen und bei der Knappschaft vorgelegt werden. „Wir zahlen etwa 30 Prozent Sozialabgaben, bei Minijobbern sind das winzige Beträge. Der FTSV beschäftigt zwei Minijobberinnen für das Amt des Schatzmeisters. Nach einer Betriebsprüfung hatte der Verein laut Klenke 18 Euro für drei Jahre nachzahlen müssen. „Der Aufwand der Betriebsprüfung ist doch unverhältnismäßig.“

MINDESTLOHN 

Der Mindestlohn gilt auch für Vereine, problematisch ist das beispielsweise für Vertragsspieler im Fußball, die nur etwa 400 Euro verdienen. Die Zahl der geleisteten Stunden pro Monat ist nur schwer zu erfassen, da die absolvierten Trainingseinheiten und Spiele nicht immer identisch sind. „Der DOSB und der DFB haben schon mit Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) gesprochen, aber bisher ist nichts passiert.“

KINDESWOHLGEFÄRDUNG 

„Das ist ein sensibles Thema, aber für uns ist es ein hoher Verwaltungsaufwand, die Führungszeugnisse anzufordern.“ Warum die Vereine die Verantwortung tragen müssen, kann Klenke nicht verstehen. „Das Regensburger Modell, bei dem die Jugendhilfe des Kreises tätig wird, wäre eine Alternative.“ Erste Gespräche zu einer Neuregelung habe es mit dem Landkreis Kassel schon gegeben, bislang ohne Ergebnis.

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