Mitglieder des Hessencourriers machen Kleinbahnstrecke fit für die neue Fahrsaison

Aktiv-Urlaub im Gleisbett

Neue Schwellen für die Kleinbahnstrecke: Philipp Donth, Gerd Schuppelius, Jens Karasek, Lars Sonnenschein und Stefan Schäfer (von links) vom Verein Hessencourrier bei den Streckenarbeiten in der Nähe des Balhorner Bahnhofs. Foto:  Norbert Müller

Baunatal / Schauenburg. Leerlauf kennen die Eisenbahner nicht: Die Mitglieder des Hessencourriers haben jede Menge Baustellen: die neue Lokhalle in Kassel, die Lokomotive 206 in der Naumburger Lokhalle und die 26 Kilometer lange Gleisstrecke von Naumburg über Bad Emstal und Schauenburg bis nach Baunatal-Großenritte, die von den Dampfzug-Begeisterten in Schuss gehalten wird.

Ein halbes Dutzend Vereinsmitglieder war nun wieder 200 Meter hinter dem Balhorner Bahnhof im Einsatz, ersetzte morsche Schwellen gegen intakte, die man gebraucht gekauft hat.

„Eine neue kostet 70 Euro“, sagt Vereinsvorsitzender Jens Karasek, die gebrauchten Exemplare, die noch zehn bis 15 Jahre halten, kosten vergleichsweise günstige 30 Euro. Der Hessencourrier mit seinen 44 Mitgliedern hat mächtige finanzielle Lasten zu stemmen, um den Fahrbetrieb auf der früheren Kleinbahnstrecke und seine historischen Fahrzeuge am Laufen zu halten.

„Im Hochsommer, wenn die Sonne brennt, ist das nicht zu leisten.

Philipp Donth

Ohne Sponsoren wäre es mit der einzigartigen touristischen Attraktion, dem Reisen wie zu Kaisers Zeiten, zwischen Kassel und Naumburg längst vorbei.

10 000 Euro Spendengeld

Karasek und seine Mitstreiter bekamen zum Glück kürzlich Besuch: Ingo Buchholz, Vorstandsvorsitzender der Kasseler Sparkasse, und Landrat Uwe Schmidt. Zur Unterstützung der Streckenarbeiten hatte das Geldinstitut 10 000 Euro spendiert.

Der Besuch erfuhr, dass sich die Mitglieder des Hessencourriers freigenommen haben, um den Streckenabschnitt vor dem Start der Fahrsaison im April flottzumachen. „Eine Woche Aktiv-Urlaub“ verbringen die Ehrenamtlichen an der Strecke, sagte Vorstandsmitglied Gerd Schuppelius.

Bagger, Schraubesel und Stopfhämmer erleichtern die schweißtreibende Arbeit im Gleisbett, wo in dieser Woche knapp 200 Schwellen ausgetauscht werden müssen.

Bereit für den TÜV

Im Herbst sind dann noch mal gut 150 Schwellen fällig in der langen Kurve vor Naumburg. „Im Hochsommer, wenn die Sonne brennt, ist das nicht zu leisten“, sagt Philipp Donth, der im Vereinsvorstand für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist und einen der Stopfhämmer bedient, mit denen der Schotter im Gleisbett verdichtet wird.

Wenn in den nächsten Tagen die Streckenarbeiten beendet sind - die Böschungen waren schon zu Jahresbeginn freigeschnitten worden -, geht es an die anderen Großbaustellen: die neue Halle in Kassel, wo künftig der Stützpunkt für die Fahrzeuginstandsetzung und -wartung sein wird, und die Dampflok 206, die im Naumburger Lokschuppen für die Hauptuntersuchung - den TÜV - fit gemacht wird.

Laut Jens Karasek wird Naumburg der Stützpunkt für die Streckenunterhaltung bleiben. Von dort wird man dann auch in Zukunft zu den dringend notwendigen „Aktiv-Urlauben“ starten.

Saisonstart: 24. April (Ostern). www.hessencourrier.de

Von Norbert Müller

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