Ausländerbehörde droht mit Abschiebung in Jemen – Familie würde auseinandergerissen

Die Al-Omaris sollen weg

Axel Selbert

Lohfelden. Sie leben seit 15 Jahren in Lohfelden, sind Mitglieder in örtlichen Vereinen und verdienen ihr eigenes Geld – arabisch sprechen sie nicht. Trotzdem sollen sieben Personen der Flüchtlingsfamilie Al-Omari spätestens Ende März in den Jemen ausreisen. Tun sie es nicht, droht ihnen ab April die Abschiebung durch die Ausländerbehörde.

„Freiwillige Ausreise“ nennt sich die ultimative Aufforderung der Behörde an die Betroffenen, das Land zu verlassen – der Begriff wurde zum Unwort des Jahres 2006 gekürt. Mit Recht, findet Rechtsanwalt Axel Selbert, der die Familie betreut.

In Lohfelden regt sich jetzt Widerstand gegen die angedrohte Abschiebung. Ein Initiativkreis aus Bürgern, Mitgliedern des Ausländerbeirats, von Vereinen und sozialen Trägern, der Kirchen sowie politischen Parteien will das Auseinanderreißen der Großfamilie nicht hinnehmen.

Mehrere Familienmitglieder hatten im vergangenen Sommer nach jahrelangen Auseinandersetzungen mit den Behörden das Bleiberecht erhalten. Sieben Personen des 20 Menschen umfassenden Clans aber nicht. So darf etwa Mohammed Al-Omari in Deutschland bleiben, sein Zwillingsbruder Taher aber nicht.

„Völlig unverständlich“

Unzumutbar und völlig unverständlich finden das die Bürger im Lohfeldener Unterstützungskreis. Sie wollen jetzt mit Briefen an Innenminister Boris Rhein (CDU), den Petitionsausschuss des Hessischen Landtages und die Härtefallkommission der Landesregierung ein Umdenken erreichen.

CDU-Landtagsabgeordneter Ismail Tipi vom Petitionsausschuss des Landtages hat ihnen Anfang der Woche seine Unterstützung zugesichert. Rückendeckung kommt auch von der evangelischen Kirchengemeinde Lohfelden. Man fühle sich „dem Jesuanischen Gebot der Mitmenschlichkeit verpflichtet“ und trete für diejenigen ein, die keine Lobby haben, heißt es in einem Schreiben der Kirchengemeinde an den Innenminister.

Auch Bürgermeister Michael Reuter will den Minister um eine menschliche Geste bitten. Viele Gemeindevertreter haben in ihrer jüngsten Sitzung per Unterschrift ihre Unterstützung bekundet.

Die Härtefallkommission hatte das Bleiberecht für die sieben Betroffenen am 17. Dezember abgelehnt. Begründung: Sie seien aufgrund ihrer Einkommensverhältnisse nicht genügend integriert, sprich: sie seien auf Sozialhilfe angewiesen.

Das war zum damaligen Zeitpunkt auch der Fall. Nun allerdings – so die Argumentation der Unterstützer – finanzieren sich die Betroffenen vollständig selbst. Die beiden Ehepaare Taher (26) und Amira (25) Al-Omari sowie Suleiman (24) und Fatima (25) Al-Omari haben vier Arbeitsstellen. Das Problem, dass Ausländer mit Duldungsstatus nur schlecht bezahlte Jobs erhalten, dürfe nicht auf dem Rücken der Familien ausgetragen werden, heißt es.

Infos und Kontakt bei der Gründerin des Unterstützerkreises, Giovanna Harrer, Tel. 05 61/5 10 45 69. ARTIKEL RECHTS

Von Holger Schindler

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