Spät am Abend geht’s zum Training

Unterwegs mit den Huskies: Alaska im Reinhardswald

Unterwegs mit den Schlittenhunden: Andree Morth trainiert mit seinem Gespann so oft es geht. Am liebsten fährt er abends durch den Wald, wenn es ganz ruhig ist.

Fuldatal. Durch die dunkle Nacht des Reinhardswalds hallt das laute Gewinsel und Gebell der fünf Schlittenhunde von Andree Morth. Sie sind aufgeregt, nervös, wollen, dass es endlich losgeht. Ungeduldig warten sie im Käfig von Morths Wagen.

Endlich öffnet sich der Kofferraum. Der 42-Jährige aus Simmershausen trägt einen Hund nach dem anderen auf seinem Arm zum Trainingswagen. Dort wartet schon Jennifer Errico. Sie hilft ihm beim Einspannen. „Ohne sie geht es nicht“, sagt Morth. Die Hunde seien so aufgeregt, dass einige schon losrennen würden, während andere noch gar nicht eingespannt seien.

Seine Hunde sind für Morth wie eine Familie. 2008 hat der Simmershäuser als Teilnehmer des Silvesterlaufs in Wuppertal einen Läufer gesehen, der mit zwei Huskys unterwegs war. Morth war fasziniert. Kurz darauf erstand er im Tierheim Wau-Mau-Insel in Kassel seinen ersten Alaskan Husky namens Freyja. „Damit hat die Sucht angefangen.“

Seine Freyja steht wegen einer Arthroseerkrankung heute „nur noch auf Position Couch“, liest man auf Morths Internet-Seite. Jetzt machen andere das Tempo.

Inzwischen stehen alle Hunde im Gespann vor dem Trainingswagen. Leithündin Apache und ihre Co-Partnerin Fibi Jo führen die Gruppe an. In der zweiten Reihe steht Teamdog Ylvi. Direkt vor dem Wagen sind die Wheeldogs Amber und Fjelline eingespannt. Sie sind die Hunde mit der stärksten Körperkraft.

Vorn im Gespann braucht der Hundeführer einen selbstbewussten Leithund, der seine Befehle ohne Zögern umsetzt. Deshalb schwenkt „Apache“ beim Zuruf „Gee“ sofort nach rechts. Alle anderen folgen ihr. „Der Leadhund motiviert und diszipliniert alle anderen Hunde“, sagt Morth. Apache sei deshalb der Leader, „weil sie am ehesten das tut, was ich ihr sage. Es sind die Hunde ganz vorn im Gespann, die am wenigsten mit mir diskutieren.“

Fotos: Unterwegs mit den Huskies im Reinhardswald

Unterwegs mit den Huskies im Reinhardswald

Im Wald ist es jetzt ganz still. Kein Gebell, kein Gewinsel mehr, nur das Hecheln der Hunde in der Nacht. Bei minus zwei Grad kämpft sich das Team durch den Schnee. „Es ist heute viel zu warm, um Hochleistungen zu bringen“, erklärt Morth. Denn erst bei Temperaturen um die minus zehn bis minus fünfzehn Grad kommen die Tiere so richtig auf Touren. „Je kälter, desto besser“, sagt der Schlittenhundeführer.

An diesem Abend müssen die Hunde während des Laufs immer wieder den Kopf senken, um Schnee aufzunehmen. Die Wärme strengt an, deshalb brauchen sie mehr Wasser. Hier zeigt sich der unbedingte Laufwille. Das Gespann gibt alles. „Der Hund muss das wollen, das kann man nicht antrainieren“, sagt Morth. Weiter geht es durch die dunkle Nacht. Nur eine Stirnlampe leuchtet dem Schlittenhundführer und seinen Gefährten den Weg. Nach elf Kilometern ist es geschafft. Glücklich und zufrieden kommen alle zurück. Ein Leben ohne seine Hunde kann sich Morth nicht mehr vorstellen: „Ich habe hier meinen Traum von Alaska gefunden.“

Von Nina Thöne

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