Früherer SPD-Politiker vertrat den Wahlkreis Werra-Meißner / Kassel-Land zwölf Jahre im Bundestag

Albert Nehm mit 80 Jahren gestorben

In aktiven Zeiten: Albert Nehm. Archivfoto: Haun / nh

Baunatal. Albert Nehm ist tot. Der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete starb im Alter von 80 Jahren. Die Trauerfeier fand am Donnerstag im engsten Familienkreis statt.

Albert Nehm, aus Zierenberg stammend, dann viele Jahrzehnte in Baunatal zu Hause, hatte Stellmacher gelernt. Nach Stationen im Bergbau in Kanada und in der Zeche Marie im Habichtswald stand er von 1961 bis 1990 in Diensten von VW, wo er in der Härterei arbeitete, ehe er 1972 in den Betriebsrat wechselte.

1978 rückte Nehm in den Bundestag nach, danach gewann er dreimal das Direktmandat im Wahlkreis Werra-Meißner / Kassel-Land. Nehm, 1954 in die SPD eingetreten, engagierte sich auch im Ortsverein seines Wohnorts Kirchbauna und gehörte dem Vorstand zuletzt als Ehrenmitglied an. In der IG Metall war Nehm ebenfalls aktiv.

Albert Nehm war kein Mann der großen Reden. Lange Diskussionen waren nicht seine Sache, kurze Worte in der sonoren Stimmlage mussten reichen. „Ein Praktiker“, so sagt sein ehemaliger VW-Betriebsratskollege Asmuth Schaub. Geradlinig sei Nehm gewesen, ehrlich: „Er stand immer zu seinem Wort.“

Bundesweit für Aufsehen sorgte das Bundestagsmitglied Nehm erstmals 1983, da ging der Name durch die Presse. Er hatte seinen SPD-Parteifreund Egon Franke, der sich nach dem Ausscheiden als innerdeutscher Minister für den Verbleib von 5,6 Millionen Mark (2,9 Mio. Euro) rechtfertigen musste, dem Staatsanwalt empfohlen. 1988 machte Nehms Kritik an den Mehrkosten des Bonner Regierungshotels Petersberg Schlagzeilen und später sein Einhaken beim Umbau des Berliner Präsidentenschlosses Bellevue, wo es um einen teuren Treppenbau ging.

Zuletzt lebte Nehm zurückgezogen. Bevor die Gesundheit stärker nachließ, fuhr er aber noch gern auf seinem kleinen Trecker durchs Dorf.

Albert Nehm hinterlässt Ehefrau Christa und drei Söhne mit ihren Familien. (ing)

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