Wolfgang Soethe aus Wahnhausen war ab den 50er-Jahren eine feste Größe in der Kulturszene der Region

Alis wilde Zeit als Musiker

Hat die Gitarre noch einmal ausgepackt: Wolfgang Soethe mit seiner Ovation in seinem Haus in Wahnhausen. Foto: Schräer

Fuldatal. Die Älteren werden sich erinnern – an „8 töne“, „The Panics“ oder „Ali’s Number Five“. Die Bands füllten mit ihrer Musik Tanzbars und Clubs, ihre Musiker waren Teil der Kulturszene in der Region.

Das war in den 50er-, den 60er- und den 70er-Jahren. Einer, der kräftig mitmischte: Wolfgang Soethe aus Wahnhausen, vielen eher bekannt als Ali, der besagter Band den Namen gab.

Musikerkollegen aus alten Tagen lassen es derzeit noch mal rocken. Als Kasseler Senioren-Quintett um den Schlagzeuger Brian Wilson spielten sie unlängst eine erste CD ein. Der 77-jährige Soethe hat längst Gitarren und E-Bass aufs Altenteil geschickt. Es bleiben Erinnerungen an eine wilde Zeit voller Musik.

„Lustiger Vogel“

Die begann für Soethe, der in Essen geboren wurde und durch die Kriegswirren nach Nordhessen kam, mit 15 Jahren in der Volksschule Deisel. Lehrer Heinz Schuchardt „hatte erkannt, dass ich ein lustiger Vogel war“, sagt Soethe. Er lieh dem Schüler eine Gitarre, brachte ihm ein paar Akkorde bei und ließ ihn beim Krippenspiel mitmachen. Dann habe er sich ein bisschen weiterentwickelt, „amerikanisiert“, wie Soethe sagt. Es war Anfang der 50er-Jahre, Hillbilly-Musik interessierte den Jugendlichen. Was seinen Lehrer ärgerte, der russische Weisen liebte und nicht diesen „Mäuse-Jazz“.

Später dann die ersten Bandauftritte mit seinem Freund Willi Wortmann aus Hümme, der am Kasseler Konservatorium Geige studierte, auf der Immenhäuser Glastanzdiele „Grüner Baum“. Die Zeit verging, Soethe zog nach Kassel, schleppte Kisten bei Coca-Cola und spielte abends in Bars, die Charly, Orchidee oder Melodie hießen. „Ich war Aushilfe, wenn die unter Vertrag stehenden Musiker einen freien Tag hatten.“

Dixieland bei Zissel-Umzug

Soethe wurde Mitglied der Gruppe „8 töne“, die sich unter der Leitung seines Musikfreundes und Schlagzeugers Karl-Heinz „Heinibert“ Exter von einer Schüler- zu einer Profiband entwickelte. Beim Zissel-Umzug spielte man auf dem Coca-Cola-Wagen Dixieland, „fröhliche Musik“, wie Soethe sagt.

Für ihn ging es in den Offiziersclub der US-Soldaten in Rothwesten. Er spielte neben dem Job als Vermessungstechniker fünf Abende die Woche für jeweils 15 Dollar. „Das waren 60 D-Mark, viel Geld“. Soe-the gehörte zum Heinz Umbach Quintett, das tatsächlich sechs Mitglieder hatte, deutsche und US-Amerikaner.

Swing, Jazz und damals angesagter Soul à la James Brown wurden gespielt. Ob in der Tanzschule Lückert im Hotel Hessenland oder in einem Club bei Bebra. Da nannte man sich bereits „The Panics“, blieb aber ganz cool, denn eigentlich war das Zonenrandgebiet für die US-Soldaten tabu. Als Sensation aus den USA angepriesen, trat man zusammen mit der „deutschen Spitzenband“, den Rattles vom Star-Club Hamburg, auf, wie auf einem Flugblatt von damals zu lesen ist.

Es sind die beginnenden 70er-Jahre, Ali’s Number Five waren wiederbelebt, die es Jahre vorher bereits einmal gegeben hatte. Ende der 70er-Jahre spielte Soethe in der Big Band von Jan Winters aus Lohfelden auf Karnevalsveranstaltungen. Anfang der 80er war für ihn Schluss. Englische Oldtimer lösten als Hobby die Musik ab.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.