Blick hinter die Kulissen bei SMA in Niestetal, dem zweitgrößten Arbeitgeber im Landkreis Kassel

Alle 30 Sekunden ein Sunny Boy

Filigrane Technik: Susanne Henkel zeigt eine Leiterplatte.

Niestetal. Es gleicht einem Dorf, das weitläufige Gelände der Firma SMA Solar Technology an der Sonnenallee in Niestetal. Vor der Werkhalle des nach dem Baunataler VW-Werk zweitgrößten Arbeitgebers im Landkreis Kassel herrscht geschäftiges Treiben, hier steht niemals jemand still.

Das ist es also, das Vorzeige-Unternehmen der Region, das in den vergangenen Jahren immer wieder mit Rekordumsätzen und Tausenden neuer Jobs Schlagzeilen gemacht hat. Bei der Herstellung von Wechselrichtern für Fotovoltaik-Anlagen, die den in Solarzellen erzeugten Gleichstrom in netztauglichen Wechselstrom umwandeln, ist der Betrieb im Landkreis Kassel führend auf dem Weltmarkt.

Ein Blick in die Produktion zeigt, wie ein Rädchen ins andere greift. Auf dem Boden der Produktionshalle grenzt eine gelbe Linie den Besucherbereich ab, damit die empfindlichen elektronischen Bauteile nicht durch unerwünschte Berührung beschädigt werden.

„Wir arbeiten daran, dass die Menschheit eines Tages vollständig mit erneuerbaren Energien versorgt werden kann.“

Susanne Henkel SMA-Kommunikation

Ein großer Teil der Fertigungseinrichtung befindet sich auf Rollen, um größtmögliche Flexibilität zu schaffen. Eine Glaswand trennt Besucher von der ersten Produktionsstation der Werkhalle.

Hier werden die Leiterplatten, elementare Bestandteile eines Wechselrichters, mit elektronischen Bauteilen bestückt. Auf einer Platte befinden sich bis zu 1700 Bauteile. „In den fünf bis sechs Prozessoren eines Wechselrichters steckt so viel Intelligenz wie in einem Laptop“, erklärt Susanne Henkel, Mitarbeiterin in der Unternehmenskommunikation.

Blitzschnell bewegen sich die Roboterköpfe über die Oberfläche; pro Sekunde werden 60 Bauteile wie Dioden und Widerstände an den vier Produktionslinien der Leiterplattenbestückung auf die Platten gesetzt.

Die Leiterplatten werden daraufhin einer Qualitätsprüfung unterzogen. Der Computer vergleicht das ideale Musterbild einer Platte mit den einlaufenden Exemplaren und prüft sie auf 1600 Merkmale. Stimmt etwas nicht, korrigiert Produktionsmitarbeiterin Nadine Münster dies mit dem Lötkolben. „Man braucht schon sehr gute Augen und ein entsprechendes Geschick“, sagt die 24-Jährige.

Heiß her geht es in der Abteilung von Lothar Weix. Nachdem seine Mitarbeiter Bauteile wie Kondensatoren und Spulen mit den Drahtanschlüssen durch die Leiterplatten gesteckt haben, wird in einer Wellenlötanlage 250 Grad heißes, flüssiges Lötzinn von unten an die Leiterplatte gespült, um die Bauteile zu fixieren und elektrisch anzuschließen.

Die Mitarbeiter sind mit einem Erdungskabel gesichert. „Das ist Pflicht“, sagt Lothar Weix. „Ohne das Kabel könnten sich die Kollegen elektrostatisch aufladen. Bei der Berührung mit den elektronischen Bauteilen würde dann eine Entladung stattfinden, die diese beschädigen könnte.“ Nach der Endmontage werden die fertigen Wechselrichter in einem Testfeld auf Herz und Nieren geprüft. Bei Vollauslastung verlässt alle 30 Sekunden ein fertiger Wechselrichter – sie heißten Sunny Boy, Sunny Tower oder auch Sunny Central – das Werk.

Marketing und ein weltoffenes Image haben sicher einen Anteil am Erfolg. Im Empfangsbereich liegen Bilderbücher in drei Sprachen aus. Titel: „Ein Sonnendach für den Kindergarten“. Bei SMA haben die Menschen eine Vision, sagt Henkel: „Wir arbeiten daran, dass die Menschheit eines Tages vollständig mit erneuerbaren Energien versorgt werden kann.“ Etwa 1,8 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2010 künden vom Erfolg des Unternehmens. HINTERGRUND

Von Kristin Dowe

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