Baunataler Diakonie Kassel

Erste Wohngemeinschaft für geistig Behinderte

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Sie fühlen sich wohl in den eigenen vier Wänden: Christian Hartung (links) und Jan Emmer wohnen seit wenigen Monaten in einer Wohngemeinschaft.

Baunatal. Einen eigenen Haushalt führen, einkaufen, den Alltag organisieren: Was für die meisten jungen Leute selbstverständlich ist, war für Jan Emmer und Christian Hartung bis vor Kurzem undenkbar.

Jetzt wohnen die beiden Männer, die Mitarbeiter der Baunataler Diakonie Kassel sind, in einer Wohngemeinschaft - ein neues Projekt der Einrichtung macht’s möglich.

„Wir wollten jungen Menschen mit geistiger Behinderung die Möglichkeit geben, Erfahrungen im eigenen Wohnraum zu sammeln“, erklärt Martina Rohde, Leiterin des Bereichs Betreutes Wohnen. Deshalb habe die Baunataler Diakonie Kassel (BDKS) im vergangenen Jahr erstmals eine Wohngemeinschaft mit Betreuung in Baunatal eingerichtet.

In einem kleinen Fachwerkhaus an der Prinzenstraße leben derzeit drei junge Männer zusammen. Jeder hat sein eigenes Zimmer. Küche und zwei Bäder werden gemeinsam genutzt.

„Ich war mächtig stolz, als ich hier eingezogen bin“, sagt Jan Emmer. Er war der Erste, der das Haus bezog. „Und das Beste: Ich durfte mir das Zimmer aussuchen.“ Seitdem bewohnt er zwei Räume im Obergeschoss, die er modern eingerichtet hat. Privatsphäre inklusive. Und auf die legt der 25-Jährige großen Wert, denn oft ist seine Freundin zu Besuch, die im wenige Kilometer entfernten Gudensberg wohnt.

Einen großen Schritt bedeutete der Umzug in die WG für Christian Hartung: Zuvor hatte er bei seinen Eltern gelebt. Jetzt hat er sein eigenes Reich mit gemütlichem Sofa, Fernseher und neuen Freunden, mit denen er über die Arbeit sprechen kann. Es sind die ersten Schritte in ein eigenständiges Leben. Doch die funktionieren natürlich nicht ohne Unterstützung. Jeder der Bewohner hat einen eigenen Betreuer, der mehrmals pro Woche für mehrere Stunden einen Hausbesuch macht.

So wie Christian Vondran. Er hilft seinen Schützlingen bei Arztbesuchen und Bankgeschäften, aber auch bei ganz alltäglichen Dingen wie dem Erstellen von Putz- und Einkaufsplänen. „Außerdem gibt es wie in jeder WG soziale Konflikte, die wir gemeinsam mit den Bewohnern schlichten.“

Die drei Bewohner des „Prinzenhauses“, wie das Domizil liebevoll genannt wird, werden zwei Jahre in ihrer WG leben. Es ist eine Art Probelauf für die Zukunft. „Wenn alles klappt, werden die Männer danach in ein eigenes Apartment mit Betreuung ziehen“, sagt Martina Rohde. Die Baunataler Diakonie Kassel will übrigens bald noch mehr solcher Wohngemeinschaften anbieten. „Das Interesse ist groß.“ Allerdings mangele es zurzeit in Baunatal an geeignetem Wohnraum.

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