Hella Böker aus Fuldabrück beendet mit 71 Jahren ihre internationale Erfolgskarriere als Diskurswerferin

„Alles erreicht, was ich wollte“

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Erfolgreich: Hella Ulbricht mit 18 Jahren. Kurz vorher war es ihr gelungen, die 50-Meter-Marke im Diskuswerfen zu knacken.

Fuldabrück/Melsungen. „Ich hab alles erreicht, was ich wollte“, sagt Hella Böker. Die Liste der sportlichen Erfolge der 71-Jährigen ist lang. Erst im vergangenen Jahr holte sie bei der Senioren-Europameisterschaft in Zittau im Werfer-Fünfkampf Gold.

„Meister des Sports“

„Die Europameisterschaft im Dreiländereck war ein schöner Abschluss“, sagt sie. Zwölf Jahre alt war Hella Böker, die 1941 in Pethau bei Zittau geboren wurde und damals noch Ulbricht hieß, als sie den ersten Diskus in die Hand nahm. Sechs Jahre später war sie bereits die beste Jugend-Diskuswerferin der Welt.

Am 7. Oktober 1959 gelang es ihr in Espenhain bei Leipzig den Jugendweltrekord im Diskuswerfen auf 50,22 Meter zu verbessern. Sie war damit die erste Jugendliche, die die Ein-Kilo-Scheibe über die bis dahin unerreichte 50-Meter-Marke warf. Ein Moment, den die Leichtathletin zu den schönsten ihrer Sportlerkarriere zählt. Sie erinnert sich: „Als ich danach zum Training kam, fragte mein Trainer mich, was ich wolle.“ Trainieren, habe sie geantwortet, sagt Hella Böker. Der Trainer habe nur geantwortet: „Du brauchst nicht mehr trainieren, du hast doch schon alles erreicht.“ Der Rekordwurf brachte der damals 17 Jahre alten Hella nicht nur den Titel „Meister des Sports“ ein: Sie erfüllte damit auch die Norm für die Olympischen Spiele 1960 in Rom.

Teilgenommen hat sie nicht, da sie sich vor den Ausscheidungswettkämpfen verletzte. Ende 1981 siedelte die Sportlerin in den Westen über, heiratete Winfried Böker und wohnt seitdem in Fuldabrück.

Ihre zweite sportliche Karriere bei der MT Melsungen begann 1988 zunächst nicht sehr glücklich. Gleich beim ersten Training riss ihr die Achillessehne im linken Bein, vier Jahre später die Sehne im rechten Bein.

Auch im Alter noch aktiv: Unser Archivbild zeigt Hella Böker von der MT Melsungen bei einem Wettkampf im Jahr 2011. Künftig will die Leichtathletin nicht mehr an Konkurrenzen teilnehmen.

Die Leichathletik gab Hella Böker trotz der schweren Verletzungen nicht auf. Sie durchlebte Wochen zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Freude und Frust und kam noch motivierter auf die Bühne des Sports zurück. Jammern gehörte nie zu ihren Charaktereigenschaften. Nur wenige Jahre nach ihren Verletzungen gewann sie die deutsche Seniorenmeisterschaft im Diskuswerfen. Mit ihrer Leidenschaft für den Sport, Leistung und Willensstärke bestimmte Hella Böker 20 Jahre das Weltniveau im Werfer-Fünfkampf.

Auch Doping-Vorwürfe konnten den Sportsgeist von Hella Böker nicht mindern. Sie beteuert bis heute ihre Unschuld. Ganz aufhören wird Hella Böker mit dem Sport auch in Zukunft nicht, aber an Wettkämpfen will sie nicht mehr teilnehmen. Langweilig, sagt die 71-Jährige, werde ihr aber mit Sicherheit nicht werden. Die beiden Töchter ihres Mannes und die vier Enkelkinder werden künftig im Vordergrund stehen.

Die erfolgreichste Senioren-Leichtathletin Hessens wurde jetzt nach 25 Jahren bei der MT 1861 Melsungen verabschiedet. (nh)

Von Alwin J. Wagner und Barbara Kamisli

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