Familien mit Kleinwüchsigen tauschten Erfahrungen aus

Kleinwüchsigkeit: Im Alltag ist Erfindungsreichtum gefragt

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Klein, aber selbstbewusst: Ein überdimensionaler Stuhl zeigt auch Normalwüchsigen, wie schwer es Kleinwüchsige schon am Esstisch haben. Den Stuhl präsentieren hier (von links) Mona (11), Victoria (16), Heidi Mörler, Marie (12), Felix (7), Evelyn (10), Cora (11), Lina (8), Karin Hoffmann und Susanne Peucker.

Kreis Kassel. Marie ist für ihr Alter viel zu klein und schmächtig. Doch die Zwölfjährige, die manchmal schon Hilfe braucht, um den hartnäckigen Verschluss einer Wasserflasche zu öffnen, ist sehr selbstbewusst und erfinderisch. Morgens marschiert sie mit einer Fleischgabel ins Badezimmer.

Damit bewegt sie den Wasserhahn am Waschbecken, an den sie sonst nicht heranreichen würde. Ihre Mutter Heidi Mörler, die kein Größenproblem hat, ist zweite Vorsitzende im Landesverband der Kleinwüchsigen (LKMF), der am Wochenende auf der Jugendburg Sensenstein ein von der AOK Hessen gesponsertes Treffen für zu klein Gewachsene und ihre Familien ausrichtete.

Etwa 100.000 Kleinwüchsige gebe es in Deutschland, sagt Karin Hoffmann, Ansprechpartnerin des Verbandes für die Region im Selbsthilfezentrum KISS in Kassel. Die medizinischen Gründe dafür seien so vielfältig wie die Probleme, die sie den Betroffenen im Alltag verursachten. Hoffmanns Tochter Cora (11) ist nicht einmal einen Meter groß und hat eine Gehbehinderung. Ein medizinisches Laufrad hält sie trotzdem mobil und hilft ihr, Selbstbewusstsein zu gewinnen.

Trotzdem bleiben viele Hürden: Die Haltetaste im Bus ist unerreichbar, ebenso die Schlitze vieler Briefkästen oder das Display des Fahrkartenschalters. Die 16-jährige Viktoria Weigand aus dem Main-Kinzig-Kreis hat Mühe, passende Schuhe zu finden. „Von 50 Paar Schuhen passt nur eines“, sagt sie. Auf Modisches muss sie meist verzichten, weil die von ihr benötigte Größe auf Kinder ausgelegt ist. Wichtig sei, möglichst alles mitzumachen, was Gleichaltrige ohne Handicap tun, sagt Weigand. Vom Sportunterricht habe sie sich nie befreien lassen und sogar Urkunden bei Bundesjugendspielen errungen.

Selbstbewusstsein und Erfindungsreichtum helfen oft, die Hürden zu meistern, sagt Hoffmann.

Leider hätten noch viele betroffene Familien eine Hemmschwelle, offen über die Probleme zu sprechen. Auf das erste Treffen in Nordhessen habe sie positive Resonanz von Familien aus der Region erhalten, die spontan mitmachen wollten. (pdi)

Info und Kontakt: LKMF, Karin Hoffmann, Tel. 05674/5959, www.bkmf.de

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