Schulsozialarbeit hilft Schülern Probleme zu bewältigen und gibt Lebens-Tipps

Mit dem Alltag umgehen

Selfies mal anders: Nicht mit dem Handy, sondern mit dem Zeichenstift sollten Schüler ein Selfie (Selbstporträt) gestalten. Mit derartigen Aufgaben versucht die Schulsozialarbeit (im Bild von links: Fachdienstleitung Anke Kordelle, Schulsozialarbeiterin Julia Heide (Brüder-Grimm-Schule), Fachdienstleiterin Melitta Schäfer und Schulsozialarbeiter Achim Föth (Baunsbergschule)) den Schülern beispielsweise einen kritischeren Umgang mit Medien zu vermitteln. Foto: Thiele

Baunatal/kreis kassel. Als sie die Aufgabe hörten, waren die Schüler gleich begeistert und zückten ihre Handys und Smartphones. Doch die Aufgabe, ein Selfie (Selbstporträt) von sich zu erstellen, meinte Schulsozialarbeiterin Julia Heide diesmal ganz anders, denn die Schüler der Brüder-Grimm-Schule in Hofgeismar sollten zwar einen Handybildschirm mit einem Bild von sich darstellen, doch nicht schnell geknipst, sondern aufmerksam gemalt.

Die Brüder-Grimm-Schule ist gemeinsam mit der Baunsbergschule in Baunatal neu in den Kreis der Schulen aufgenommen worden, in denen der Landkreis Schulsozialarbeit fördert, ein Unterrichtsfeld, das immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Es sind zwar nur wenige Stunden im Monat, doch die haben sich als hilfreich und nötig erwiesen, um Schülern beizubringen, beispielsweise mit Konflikten umzugehen. Dazu eignen sich besonders gut Gruppenangebote (wie kürzlich eine Paddeltour auf der Diemel) bei denen die Erweiterung der sozialen Kompetenzen im Mittelpunkt steht. Ältere lernen Jüngeren zu helfen.

„Schwerpunkt unserer Arbeit ist hier das Erlernen von Verhaltensmöglichkeiten, um Konfliktsituationen im Schulalltag erst gar nicht entstehen zu lassen“, sagt die Fachdienstleiterin Anke Kordelle von der Kreisverwaltung. Diese Team-Building-Maßnahmen auf Klassenebene seien äußerst erfolgreich. „Die Zahl der Kriseninterventionen nimmt kontinuierlich ab - ich habe den Eindruck, dass Schüler durch mehr Sozialkompetenz Konfliktsituationen besser allein bewältigen können“, berichtet Kordelle.

Streit vermeiden

Nachdem Schüler Gefühle wie Wut, Angst und Trauer kennengelernt haben und wie hilfreich das Schlichten eines Streits sein kann, neigen viele danach eher dazu, Streit zu vermeiden.

So wie das Selfie-Bild zum bewussteren Umgang mit Handy und Computer verhelfen soll, so geben die Sozialarbeiter auch ganz praktische Tipps, beispielsweise um beim Internetkonsum nicht in Abofallen zu tappen. Weitere Themen sind beispielsweise Kleidung, Aussehen und Selbstwahrnehmung oder auch richtiges Telefonieren beim Bewerben um ein Praktikum.

Möglich wurde die Ausdehnung der Schulsozialarbeit auf alle Jahrgänge der Förderschulen durch Umstrukturierungen, denn Veränderungen bei den Schülerzahlen erlaubten bei gleichen Stundenressourcen eine breitere Verteilung ohne Mehrkosten, erklärt Fachdienstleiterin Melitta Schäffer.

Obwohl es sich um eine freiwillige Leistung des Kreises handelt, ist die Schulsozialarbeit nicht in Gefahr, vom Regierungspräsdium als Sparmaßnahme gekippt zu werden, weil ihr Wert überall anerkannt sei und es keine Kostensteigerungen gebe, wie Kreispressesprecher Harald Kühlborn erläutert.

Ein wichtiger Grundsatz der Schulsozialarbeit ist die Vernetzung mit Schulleitung, Lehrern, aber auch Schüler- und Elternvertretung, um einen umfassenden Eindruck von Schülern zu erhalten und sie so besser beraten und fördern zu können, erläutert Kordelle. Auch außerhalb der Schule kooperiert die Schulsozialarbeit mit Jugendarbeitern, Vereinen, bis hin zur Kreishandwerkerschaft: „Durch dieses Netzwerk und die Einbindung in die Jugend-Beratungsangebote des Landkreises können wir auf sehr kurzem Weg Probleme zielgenau behandeln“.

Hintergrund

Von Thomas Thiele

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