40 Rinder wirken oberhalb des Herbsthäuschens als Landschaftspfleger

Almauftrieb – endlich raus

Schnuppern Frühlingsduft: Diese beiden prüfen vor dem Ausstieg die Luft. Die Rinder gehören Bernd Krug (rechts), Landwirt aus Rengershausen, links stehen Matthias und Uwe Göbel von der Elgershäuser Weidegemeinschaft. Foto: Junker

Schauenburg. Nach einem langen Winter im Stall haben am Donnerstag beim Weideauftrieb 40 Jungrinder voller Übermut über die Weiden der Hute getobt, auf 25 Hektar Wiesenland inmitten des Habichtswaldes, unweit des Hohen Grases.

Seit 1974 ist der Weideauftrieb mit einem kleinen Fest verbunden. Zahlreiche Besucher haben sich trotz tiefhängender Wolkendecke an Landschaft, Rindviechern und Rhabarberkuchen erfreut. Während des Sommeraufenthaltes in der raueren Bergluft, mit frischem Futter und Quellwasser sollen sich die Färsen zu leistungsstarken Kühen entwickeln. Doch die Färsen - junge, weibliche Rinder, die noch nicht gemolken werden - erfüllen auch andere Aufgaben. „Durch die Beweidung werden die Flächen offen gehalten. Ohne die landwirtschaftliche Nutzung würde das Gelände schnell verbuschen“, erklärt der Elgershäuser Ortslandwirt Matthias Göbel.

„Der Reiz dieser Landschaft besteht aus dem Wechsel von Wiesen und Wald.“

Matthias Göbel

Die zuständige Forstverwaltung lege großen Wert auf den Erhalt der freien Flächen im Waldgebiet. „Die Verbuschung ist nicht gewollt“, sagt Matthias Göbel. Und die extensive landwirtschaftliche Nutzung sei das billigste Verfahren, um das zu verhindern. Andernfalls müssten die Flächen aufwendig gemulcht und das Pflanzenmaterial abgefahren werden. Das Hohe Gras liegt zwischen dem Vogelschutzgebiet Hirzstein und dem Seiler Berg, einem ehemaligen Truppenübungsplatz.

Seit 39 Jahren bewirtschaftet eine Weidegemeinschaft Elgershäuser Landwirte die vom Staatsforst Hessen gepachteten Wiesen der Hute, anfangs vor allem mit eigenem Milchvieh. In Spitzenzeiten weideten auf den 520 Meter hoch gelegenen Bergweiden bis zu 140 Rinder. Die Sommerweide wird seit zehn Jahren nach dem Hessischen Integrierten Agrarumweltprogramm (Hiap) bewirtschaftet, mit Landschaftserhalt durch Bewirtschaftung ohne Einsatz künstlicher Mineraldünger. Etwa sechs Monate lang werden die aus drei Flächen bestehenden Wiesen täglich überprüft, die Rinder gezählt und besehen. Rund acht Kilometer Koppelzäune müssen ständig kontrolliert und bei Bedarf repariert werden. Ist eine Weidefläche kahlgefressen, wird auf die nächste umgesetzt, bis auf den anderen neues Futter nachgewachsen ist.

Ende Oktober oder Anfang November geht es zurück in die heimischen Ställe.

Durch Beweidung wird der Bewuchs auch auf weiteren Flächen im Habichtswald kurz gehalten, beispielsweise am Dörnberg. So erfüllt die Landwirtschaft auch eine landschaftspflegerische Aufgabe. Und: Die damit verbundene Förderung hilft landwirtschaftlichen Betrieben in weniger günstigen Lagen zu überleben.

Von Constanze Junker

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