Museumszug Hessencourrier: Vereinsmitglieder warten Dampflok HC 206

Alte Dame rollt bald wieder

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Ganz schön beeindruckend ist die alte Dampflok von unten: Stefan Schäfer (links) und Jens Karasek begutachten den frisch montierten Radsatz und sind optimistisch, dass die HC 206 schon bald wieder über die Schienen rollt.

Naumburg. Ohne Achsen und Räder thront sie aufgebockt im Lokschuppen. Die Dampflok HC 206 ist das Schmuckstück des Museumszuges Hessencourrier und wird gerade fit gemacht für die Zukunft.

Obwohl es kalt ist in der alten Halle, rinnen Jens Karasek Schweißperlen von der Stirn. Er arbeitet hart, wie seine Mitstreiter. Radsätze, Federn, Achs- und Stangenlager der 1941 erbauten und 750-PS-starken Zugmaschine haben die Mitglieder des Vereins Hessencourrier aufgearbeitet.

Mit dem Einachsen ist ein Ende der Hauptuntersuchung in Sicht, und dabei ist Fingerspitzengefühl gefragt. Ganz langsam senkt sich der stählerne Koloss. Zentimeter für Zentimeter. Karasek hat alles im Blick. „Du musst auf Spannung bleiben“, ruft er seinem Kollegen Philipp Donth zu. „Halt! Der Bolzen passt nicht.“ Immer wieder muss das Absenken gestoppt, die Achsen neu ausgerichtet werden. An die 12 000 Arbeitsstunden liegen bereits hinter ihnen. Seit 2006 ist das Dampfross für die Untersuchung abgestellt. Zeit, die die Eisenbahnfreunde gerne investieren, denn anders ginge es nicht. „Würden wir die Lok in einem professionellen Dampflokwerk wie etwa in Meiningen warten lassen, müssten wir gut und gerne mit bis zu 400 000 Euro rechnen“, erklärt Pressewart Donth. Geld, das der Verein nicht hat und schon jetzt bei Kosten in Höhe von rund 60 000 Euro auf ausverkaufte Fahrten angewiesen ist.

Stefan Loos, Jakob Freyer und Patrick Bürger (von links) packen mit an.

So arbeiten die Eisenbahnnostalgiker gerne Samstag für Samstag im Naumburger Lokschuppen, unter fachlicher Anleitung von Karl Roth. Der war es auch, der die Lokomotive in den Achtzigern federführend aufgearbeitet hat, nachdem sie jahrelang als Denkmal am Naumburger Bahnhof gestanden hatte. Damit sie dieses Schicksal nicht wieder ereilt, bedarf es nun der Generalüberholung. Das ist Vorschrift, vergleichbar mit dem TÜV beim Auto. „Die Lok musste in sämtliche Einzelteile zerlegt werden“, berichtet Donth. „Diese wurden dann gereinigt, überprüft, bei Bedarf repariert und anschließend wieder zusammengebaut.“ So auch die Radsätze, die bei der HC 206 eine neue Profilierung erhalten haben.

Ab Frühjahr sollen sie, nach Abnahme durch TÜV und Eisenbahn-Bundesamt, die „Sechser“ wieder als Schmuckstück des Hessencourriers über die Schienen zwischen Kassel und Naumburg führen. Die Eisenbahnfreunde sind optimistisch, die Einachsung jedenfalls ist geglückt.

Von Sascha Hoffmann

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