Wegen einer Flak-Stellung wird die Autobahn vor der Sanierung auf Blindgänger untersucht

Sandershäuser Berg: Granaten-Gefahr unter der A7

Niestetal. Nur einen Steinwurf vom Gut Ellenbach entfernt stehen ringförmig angeordnet mehrere Flugabwehrgeschütze. Daneben sind Zelte zu erkennen, in denen die Wehrmachtssoldaten untergebracht waren, die die Kampfbomber der Alliierten vom Himmel holen sollten.

Am unteren Bildrand entdeckt der Betrachter diverse Bombenkrater. Das Luftbild vom Sandershäuser Berg, auf dem die 1937 eröffnete Autobahn zwischen Kassel und Göttingen Orientierung bietet, wurde am 25. März 1945 von einem alliierten Aufklärungsflugzeug aufgenommen.

Fast 70 Jahre, nachdem die amerikanischen Piloten das Areal überflogen haben, sind gestochen scharfe Bilder wie dieses die Grundlage für die Arbeit von Gerhard Gossens. Der Chef des Kampfmittelräumdienstes Hessen und seine Kollegen analysieren die Aufnahmen akribisch.

Sie lassen Rückschlüsse darauf zu, ob und wenn ja wie stark ein Gebiet durch Blindgänger und andere gefährliche Hinterlassenschaften des Krieges belastet ist. Die Einschätzung der Experten ist mittlerweile bei jedem größeren Bauvorhaben gefragt. Im konkreten Fall wurden die Luftaufnahmen im Vorfeld der Fahrbahnsanierung der Autobahn 7 zwischen der Landesgrenze zu Niedersachsen und der Anschlussstelle Kassel-Nord ausgewertet.

Für Gossens stand schnell fest: Bevor die Bauarbeiter mit dem Abtragen der Fahrbahn beginnen können, muss der Untergrund untersucht werden. Denn es ist nicht auszuschließen, dass unter der A  7 noch nicht explodierte Granaten schlummern.

Oft ist die Munition, die eigentlich in der Luft explodieren sollte, nämlich einfach zurück auf die Erde gefallen. „Außerdem wurden in der Nähe von Flakstellungen am Ende des Krieges oft größere Mengen Munition vergraben“, weiß der Experte vom Regierungspräsidium Darmstadt.

Im vorliegenden Fall hat sich der Verdacht bislang nicht bestätigt. Bis gestern haben die Mitarbeiter der Firma Schollenberger aus Celle keine Blindgänger gefunden. „Die Detektoren haben zwar angeschlagen, gefunden wurden dann aber Hülsen von Verkehrsschildern und Cola-Dosen“, berichtet Horst Sinemus, Sprecher der Straßenbaubehörde Hessen Mobil. Sie hat die Untersuchung in Auftrag gegeben und muss sie auch bezahlen.

Wie viel die Sondierung am Sandershäuser Berg genau kostet, könne man erst nach dem Abschluss der Arbeiten in der kommenden Woche sagen. Auch bei der Untersuchung des Untergrunds der Landstraße zwischen den Söhrewälder Ortsteilen Wellerode und Wattenbach wurden keine Hinterlassenschaften aus dem Krieg gefunden. Der Kampfmittelräumdienst hatte geraten, die durch den Wald führende Landstraße untersuchen zu lassen, weil während des Krieges in einem benachbarten Steinbruch Geschütze eingeschossen wurden. Von Peter Ketteritzsch

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