Interview: Bürgermeister Arnim Roß über wiederbelebten Arbeitskreis Fachwerk

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Das Gesicht von Kaufungen: Fachwerkhäuser prägen das Bild des Ortes. Unser Foto zeigt das Haus Zur Schönen Aussicht 9, das zum historischen Stiftsbezirk gehört.

Kaufungen. Fachwerkgebäude prägen das Gesicht von Kaufungen. In den 1970er- und 80er-Jahren wurde die alte Bausubstanz an vielen Stellen in der Gemeinde wieder freigelegt. Doch mittlerweile birgt die wunderschöne Kulisse auch Probleme: Eine Reihe der alten Häuser steht leer und droht zu verfallen.

Um das Thema Fachwerk wieder in den Blickpunkt zu rücken, hat die Gemeinde einen Arbeitskreis ins Leben gerufen. Über das Gremium sprachen wir mit Bürgermeister Arnim Roß (SPD).

Herr Roß, was soll das neue Gremium bezwecken?

Arnim Roß: Der Arbeitskreis Fachwerk ist ein ehrenamtliches Team, das vor allem die Arbeit der Kaufunger Denkmalbeauftragten Bärbel Schmeltzer unterstützen soll. Frau Schmeltzer hat selbst die Bildung eines Arbeitskreises angeregt. Der Arbeitskreis ist in die Gesamtentwicklungsplanung eingebunden. Wir haben die Planungskommission als Lenkungsgruppe für den Gesamtprozess konstituiert.

Sie wird begleitet von Arbeitskreisen zu bestimmten Themen. Der Arbeitskreis Fachwerk ist einer davon.

Wer wirkt in dem Arbeitskreis mit?

Ross: In dem Arbeitskreis können sich interessierte und fachkundige Bürgerinnen und Bürger engagieren sowie Experten aus Institutionen, Verbänden, Firmen usw. Angesprochen sind diejenigen, denen der Erhalt der alten Fachwerksubstanz ein Anliegen ist und die sich dafür einsetzen möchten.

Was werden die Eigentümer von Fachwerkhäusern von den Beratungsergebnissen des Arbeitskreises haben?

Ross: Es geht darum, eine niederschwellige Beratung der Fachwerkhausbesitzer auf der nachbarschaftlichen Ebene anzubieten und zu verstärken und dadurch auch die Arbeit des Bauamtes und der Denkmalpflege zu unterstützen und zu ergänzen.

In Kaufungen steht eine Reihe der historischen Gebäude leer und droht zu verfallen. Wie geht die Gemeinde mit diesem Problem um?

Ross: Es müssen jeweils individuelle Einzellösungen gemeinsam mit Eigentümern und Behörden gefunden werden. Für die häufig problematische Finanzierung stellt die Gemeinde zinslose Darlehen aus ihrem Sondervermögen zur Verfügung und vermittelt Zuschüsse aus der Städtebauförderung und der Denkmalpflege.

Die Stärkung der Ortskerne ist Ihnen ein wichtiges Anliegen: Wie kann man Menschen ermutigen, sich der alten Bausubstanz anzunehmen?

Ross: Sie sagen es. Die Stärkung der alten Ortszentren in Ober- und Niederkaufungen ist eine entscheidende Voraussetzung auch für den Erhalt des Altbaubestandes. Lebendige florierende Ortsteilzentren stärken die Wirtschaftskraft und erhalten die Attraktivität des Wohnortes insbesondere im Altbaubestand.

Nehmen wir die Leipziger Straße in Oberkaufungen. Dort wurden vor 50 Jahren mehrere imposante Fachwerkgebäude abgerissen. Damals ging es um breitere Straßen. Müssen wir uns an den Gedanken gewöhnen, dass irgendwann Fachwerkhäuser verschwinden, weil sie baulich nicht mehr zu retten sind?

Ross: Um Straßenbau ging es damals nicht und geht es heute nicht. Aber in der Tat droht in Einzelfällen die Gefahr, dass Fachwerkhäuser baulich wegen zu großem Sanierungsstau nicht mehr zu retten sind. Warnende Beispiele dafür gibt es leider auch in Kaufungen. Dem werden wir auf allen Ebenen entgegenwirken. Das Haus Tränkegasse 11 ist ein gutes Beispiel dafür, wie durch Engagement und kluge Zusammenarbeit von Eigentümer, Denkmalpflege und Gemeinde der Bestand gesichert werden konnte.

Die CDU wirft Ihnen vor, die Idee für den Arbeitskreis Fachwerk abgekupfert zu haben.

Ross: Den Arbeitskreis Fachwerk gab es in Kaufungen früher schon und über einen Zeitraum von weit über 20 Jahren. Das ist vor meiner Amtszeit irgendwann eingeschlafen, und wir wollen es wiederbeleben. Die Idee ist also weder neu noch besonders originell. An einem unsinnigen Streit über angebliche „Urheberrechte“ will ich mich nicht beteiligen. Es kommt schließlich auf das Ergebnis an.

Schauen wir in die Zukunft: Was muss der Arbeitskreis 2012 als Minimalziel erreichen?

Ross: Der Arbeitskreis entwickelt an konkreten Fällen Ideen für neue, den Ansprüchen der Eigentümer oder Interessenten entsprechende Umbauten oder Nutzungen. Was tatsächlich leistbar sein wird, hängt auch von der Zusammensetzung der Gruppe und deren zeitlichen Kapazitäten ab.

Von Peter Ketteritzsch

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