Vellmarerin Mechthild Theobald fand in einem Schrank historische Zeitungen aus dem Nachlass ihrer Mutter

Frau fand historische Zeitungen: Die letzte Unterschrift des Kaisers

Zittrige Unterschrift: Auf dem Titelblatt der Ausgabe vom 13. März 1888 des Casseler Tageblatts und Anzeiger war die auf dem Sterbebett geleistete Signatur Kaiser Wilhelms abgebildet.

Vellmar. Wer kann schon von sich behaupten, die letzte Unterschrift Kaiser Wilhelms in den Händen gehalten zu haben? Mechthild Theobald kann das. Denn vor einiger Zeit machte die 67-Jährige einen außergewöhnlichen Fund:

Versteckt in der hinteren Ecke eines Schranks fand die Vellmarerin einen Stapel historischer Zeitungen. Gesammelt von ihrer 2003 verstorbenen Mutter, die die Exemplare ihrerseits von ihrem Vater Emil Krug erhielt.

„Ich habe eigentlich nur alte Fotos gesucht und dabei die historischen Zeitungen gefunden“, so Theobald. Auf der Titelseite des „ Casseler Tageblatt und Anzeiger“ vom 13. März 1888, der ältesten Zeitung ihres außergewöhnlichen Funds, befindet sich die kaiserliche Unterschrift.

„Die historisch letzte Unterschrift des hochseligen Kaisers“, titelte seinerzeit die erstmals im Jahr 1853 erschienene Zeitung und bildete neben der zittrigen, auf dem Sterbebett geleisteten Unterschrift auch die schwungvolle Signatur seiner Blütezeit ab.

„Es ist schon etwas Besonderes, solch ein Zeugnis historischer Begebenheiten in den Händen zu halten“, fand die Frau aus Vellmar. Auch die übrigen Zeitungen, darunter die Casseler Tagespost, die Kasseler Neuesten Nachrichten und das Kasseler Volksblatt, seien eine durchweg interessante Lektüre. „Sie zeigen eindrücklich die Geisteshaltung der jeweiligen Zeit.“

„Es hat den Anschein, dass diese Zeitungen systematisch gesammelt wurden, denn sie bilden stets historische Zeitabschnitte ab“, sagt die geschichtsinteressierte Frau. Vom Tod des Kaisers über den Beginn des Ersten Weltkriegs, der Problematik der 20er-Jahre, Hindenburgs 80. Geburtstag bis hin zur Machtübernahme der Nationalsozialisten sei laut Theobald „so ziemlich alles dokumentiert, was geschichtliche Relevanz hat“.

Wohlwissend, dass es so gut wie keine Originalzeitungen mehr aus der Zeit um 1900 gibt, würde sie die betagten Printausgaben gern einem Archiv oder interessierten Sammler anbieten. „Vielleicht kann ich mit meinem Fund zur Bereicherung eines Archivs oder einer Sammlung beitragen. Das würde mich sehr freuen. Das wäre auch ein bemerkenswertes Andenken an meine verstorbene Mutter und ihre ganz besondere Sammlung.“

Von Martina Sommerlade

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