KVG tauscht Erdungsleitungen aus Kupfer aus, damit sich künftig Diebstähle an Bahntrasse nicht mehr lohnen

Alu-Kabel wegen Montageaufwand teurer

Lohnt sich für Kabel-Diebe nicht mehr: KVG-Sprecherin Heidi Hamdad zeigt das neue blaue Erdungskabel aus kontaminiertem Aluminium. Foto: Kessler

Kreis Kassel. Kupferkabel sind bei Dieben zurzeit sehr beliebt – das bekommt die KVG zu spüren. Auch an der Lossetalbahn (Linie 4) kam es in den vergangenen Wochen immer wieder zu Diebstählen.

„Das Phänomen ist neu. Die Diebstähle begannen im vergangenen Herbst“, sagt Mike Heinemann von der Abteilung Infrastruktur der KVG. Warum die Diebe seit dieser Zeit hier vermehrt zuschlagen, kann er nicht sagen. Immerhin sind die Kupferpreise schon lange hoch.

Höchstens zwei Euro

Die Kabel, auf die es die Diebe abgesehen haben, verbinden die beiden Stränge einer Bahnschiene alle 125 Meter. Sie sorgen dafür, dass der Strom, der die Bahnen antreibt, leichter wieder abfließt. „Für so ein Erdungskabel aus Kupfer bekommt der Dieb vielleicht einen oder zwei Euro bei einem unseriösen Schrotthändler“, erläutert Heinemann. „Wir müssen aber einschließlich Montage rund 180 Euro ausgeben, um es zu ersetzen.“

Viel Arbeit: Nach dem Diebstahl vom April mussten die KVG-Elektroniker Tobias Mast (links) und Mirko Sienel fehlende Kabel ersetzen. Archivfoto:  Ketteritzsch

m weiteren Diebstählen vorzubeugen, tauscht die KVG alle Kupferkabel gegen solche aus kontaminiertem Aluminium. „Die zu verkaufen, lohnt sich für Diebe nicht. Allerdings kosten sie uns einschließlich der Montage fast das Gleiche, wie die Kupferkabel“, erläutert der Diplom-Ingenieur. Die Kupferkabel seien wesentlich einfacher zu montieren und hätten einen geringeren elektrischen Widerstand. Deshalb sei es allgemein üblich, Kupferkabel zu verwenden.

Wegen des höheren Widerstands seien die Aluminiumkabel dicker. Daran und an dem blauen Streifen könne man sie schon äußerlich erkennen. „Diebe haben auch schon Alukabel durchgeschnitten“, berichtet Heinemann. „Als sie merkten, dass sie wertlos sind, haben sie sie liegen gelassen. Ersetzen mussten wir sie dann trotzdem.“

Alle Kabel elektronisch zu überwachen, sei nicht möglich, erklärt der KVG-Mann weiter. „Wir überwachen dort, wo es aus Sicherheitsgründen nötig ist.“

Wenn Kabel an einer Stelle gestohlen werden, an der es zu einer Beeinträchtigung der Sicherheit kommt, legt Heinemann die Strecke vorübergehend still. „Bevor etwas passieren kann, weichen wir auf Ersatzverkehr mit Bussen aus, bis die Stelle repariert ist“, fügt er hinzu.

Für die Bahngleise außerhalb von Kassel gelte die Eisenbahnbetriebsordnung, deshalb gebe es dort mehr Erdungskabel. „Wenn dort mal eins fehlt, macht das die Tram kein bisschen unsicher, sie verbraucht nur minimal mehr Strom“, erläutert Abteilungsleiter Heinemann. „Der Sicherheit der Fahrgäste dienen die Erdungskabel an den Schienen nicht, sondern die an Haltestellenhäuschen oder Brückengeländern – für den unwahrscheinlichen Fall, dass das Oberleitungskabel der Straßenbahn herunterfällt und darauf landet.“ So könne der Strom wieder von den Bauwerken abfließen.

Ob der vor zwei Wochen wegen eines Kabeldiebstahls festgenommene 43-jährige Kaufunger auch an dem bislang größten Diebstahl an der Lossetalstrecke beteiligt war, ist weiterhin ungeklärt. Der Kaufunger hat sich gegenüber der Polizei nicht geäußert.

Von Patrick Kessler

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.