Klaus-Berndt Nickel: Er ist Präsident der Organisation der Ameisenschutzwarte

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Der Herr der Krabbeltiere: Klaus-Berndt Nickel kümmert sich um die Pflege der Ameisennester - wie hier oberhalb von Elgershausen.

Schauenburg. Wenn Klaus-Berndt Nickel über Ameisen spricht, gerät er ins Schwärmen: „Die Intelligenz dieser Tiere ist faszinierend. Außerdem sind sie immens wichtig für das Ökosystem Wald.“

Der Breitenbacher muss es wissen, denn seit neun Jahren ist er Vorsitzender der Ameisenschutzwarte (ASW) Hessen, seit fünf Jahren zudem Präsident des Bundesverbands.

Naturliebhaber war der 65-Jährige, der seit 1982 auch als Imker tätig ist, schon immer. Zu den Ameisen kam er allerdings eher zufällig. Bei einem Vortrag wurde er vor fast 30 Jahren auf die Thematik aufmerksam und entschied sich, einen Lehrgang zu besuchen. „Dann bin ich bei den Waldameisen hängengeblieben“, scherzt er.

Klaus-Berndt Nickel absolvierte eine Ausbildung zum Ameisenheger und war Gründungsmitglied der ASW des Kreisverbands Kassel. Damals, Ende der Achtzigerjahre, war er auch bei der ersten hessenweiten Ameisenkartierung dabei. „Damals haben wir flächendeckend alle Ameisennester erfasst“, sagt Nickel. Er weiß deshalb ganz genau, wo die Krabbeltiere in unserer Region zuhause sind.

Ob im Wald bei Elgershausen, im Naturpark Habichtswald oder im Bereich Naumburg: Der Schauenburger ist oft in der Natur unterwegs, um sich um seine winzigen Schützlinge zu kümmern. Denn zu seinen Hauptaufgaben gehört neben der Erfassung auch die Pflege der Ameisennester. „Wir schneiden zum Beispiel die Hügel frei, wenn sie zugewachsen sind“, erklärt der Experte.

Winzig und doch so stark: Eine Waldameisenarbeiterin kann das 40-Fache ihres Eigengewichts tragen. Fotos: De Filippo

Zudem werden Nickel und seine Kollegen gerufen, wenn Ameisenvölker gefährdet sind. Etwa dann, wenn ein großes Bauprojekt im Lebensraum der Tiere geplant ist. Die betroffenen Nester werden von den Mitarbeitern von Hand ausgegraben und umgesiedelt. Das bedeutet Schwerstarbeit, denn manchmal liegt der Nestkern in einer Tiefe von bis zu 1,20 Metern.

Die faszinierende Welt der Ameisen erklärt Nickel übrigens auch gern der jungen Generation. Als Umweltpädagoge - die Ameisenschutzwarte ist ein Biologischer Lernort Region Kassel - ist er oft an Schulen zu Gast. Aber noch lieber geht er mit den Kindern in die Natur: „Selber forschen ist immer spannender als Vorträge hören.“ Dann erklärt der Experte zum Beispiel, wie ein Nest aufgebaut ist, und dass Waldameisen seit über 200 Jahren unter Naturschutz stehen.

Kleine Tiere, große Leistung

Für viele Menschen sind Ameisen nur Schädlinge. Tatsächlich sind Waldameisen, von denen es in Deutschland 13 heimische Arten gibt, ganz erstaunliche Tiere. Das zeigen die folgenden Zahlen.

Eine Waldameisenarbeiterin kann das 40-Fache ihres Eigengewichts tragen. 9600 Ameisenarten wurden bislang beschrieben. Die Zahl der weltweit vorkommenden Arten wird jedoch auf 15.000 geschätzt. 100 Kilogramm Mineralien befördern die Arbeiterinnen eines Nestes pro Jahr aus dem Boden an die Erdoberfläche und verbessern so die Qualität des Waldbodens.

Bis zu einer Million Arbeiterinnen lebt in einem einzigen Ameisennest. 10.000 Euro Strafe kann die Beschädigung eines Waldameisennestes kosten.

Buchtipp: Ameisenfibel

In der Waldameisen-Fibel, die Klaus-Berndt Nickel kürzlich herausgegeben hat, werden die 13 heimischen Waldameisenarten ausführlich vorgestellt. Der Biologe Dieter Bretz beschreibt Lebensraum, Hügelbau und optische Merkmale der Tiere. Anhand von Fotos bekommt der Leser einen anschaulichen Überblick. Zudem geht die Broschüre, die eine Sonderausgabe des Fachmagazins "Ameisenschutz aktuell" ist, auf die Bedeutung der Ameisen für das Ökosystem ein.

Waldameisen-Fibel, 5 Euro, erhältlich bei Klaus-Berndt Nickel, Hainbuchenstraße 6, 34270 Schauenburg, E-Mail: KlausBNickel@t-online.de

Von Pamela De Filippo

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