Bürgerhaus Obervellmar: Neue Messungen bestätigen Asbestbelastung – Aber keine akute Gefährdung

Amt: Gefahr durch Asbest im Bürgerhaus geht gegen Null

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Bleibt geschlossen: Das Bürgerhaus Vellmar - hier der Blick auf die Terrasse -muss jetzt saniert werden.

Vellmar. Aufatmen erst einmal im Vellmarer Rathaus: Eine akute Gesundheitsgefährdung geht vom mit Asbest belasteten Bürgerhaus Obervellmar nicht aus. Das ergab die Auswertung der Daten, die nach neuerlichen Messungen vergangene Woche in den Fluren und im Foyer des Bürgerhauses genommen wurden.

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Die bestätigten zwar eine Asbestanreicherung der Luft, „eine greifbare Gefahr geht jedoch gegen null“, erklärte am Mittwoch Dr. Markus Schimmelpfennig, Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen und Leiter der Hygieneabteilung beim Gesundheitsamt Region Kassel, im Vellmarer Rathaus. Die Stadt hatte den Mediziner hinzugezogen.

Trotzdem: „Handlungsbedarf besteht“, erklärte Schimmelpfennig. Denn ein älterer Richtwert, den das Gesundheitsamt einmal mit „weit unter 1000 Asbestfasern pro Kubikmeter Luft“ angegeben habe, würde überschritten. Gemessen wurden im Bürgerhaus Werte von 2000 Asbestfasern pro Kubikmeter Luft, in einem Flur sogar 2500.

Für den Mediziner jedoch kein Grund zur Panik. Er verwies auf ein Risikovergleichsmodell der Weltgesundheitsorganisation (WGO). Das sieht laut Schimmelpfennig in diesem Fall so aus: „Wenn jemand 1000 Asbestfasern pro Kubikmeter Luft ein Jahr lang rund um die Uhr eingeatmet hat, dann entspricht dies der Krebsgefahr von zwei Zigaretten pro Jahr.“ Wer es sich im Winter zu Hause vor dem offenen Kamin gemütlich mache, atme einen „deutlich höheren Schadstoffmix ein“.

Denn, so der Facharzt: Eine asbestfreie Luft gebe es auch im Freien nicht. Bei Konzentrationen unter 500 Fasern pro Kubikmeter gelte auch ein Gebäude als saniert.

Da die Stadt Vellmar jedoch eine Vorsorgepflicht zum Schutz ihrer Bürger habe, müsse saniert werden. „Denn Schadstoffe haben in einem Bürgerhaus nichts zu suchen“, betonte Schimmelpfennig. Auch Bürgermeister Dirk Stochla betonte, dass „wir hier nichts verniedlichen wollen“. Deshalb bleibe das Bürgerhaus auch weiterhin geschlossen. Parallel dazu werden nach Auskunft des Verwaltungschefs auch alle anderen Vellmarer Bürgerhäuser auf Schadstoffe untersucht. Für das Bürgerhaus Obervellmar wird jetzt ein Leistungsverzeichnis erstellt, in dem festgelegt wird, wie was saniert werden muss.

Alle Nutzer des Bürgerhauses wie Vereine und Verbände hat der Bürgermeister ins Rathaus eingeladen, um sie noch einmal persönlich vom Stand der Dinge zu überzeugen. Er will sich dafür einsetzen, allen Betroffenen - ob für Feiern oder für das Training - Alternativen zum Bürgerhaus Obervellmar anzubieten.

Lüftung ist die Ursache

Auch der Auslöser für die Asbestbelastung in der Luft des Vellmarer Bürgerhauses steht jetzt fest: Durch die Lüftungskanäle wurden die Asbestfasern in die Räume gewirbelt. In den Kanälen entdeckten die Schadstoffexperten, die laut Bürgermeister Stochla „sehr sorgfältig“ gearbeitet hätten, asbestbelastete Dichtungsringe. (swe)

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