Analyse nach der Landratswahl: Weilbach bleibt bei der Kreispolitik

Am Boden: Am Wahlabend kümmerte sich Patrick Weilbach knieend um die richtige Musik zu seiner Wahlparty. Die Körperhaltung spiegelte aber nicht den Gemütszustand wider. Foto: Dilling

Kreis Kassel. Patrick Weilbach wird der Kreispolitik erhalten bleiben. Das sagt der 27-jährige Baunataler am Tag nach der Landratswahl ganz entschlossen.

„Man kann Politik auch aus einer anderen Perspektive gestalten. Man muss nicht unbedingt den Hut auf haben." Weilbach hatte am Sonntag 38,1 Prozent der Stimmen erhalten, SPD-Kandidat und Amtsinhaber Uwe Schmidt kam auf 61,9 Prozent.

Alle Artikel zur Landratswahl finden Sie im Sammelartikel.

Der CDU-Mann bleibt seiner Linie aus dem Wahlkampf treu, er analysiert das Ergebnis vom Sonntag betont sachlich. Der Wahlausgang sei hier in Nordhessen nicht anders zu erwarten gewesen, sagt er. „Ich hatte mir allerdings etwas mehr erhofft.“ Die SPD habe in der Region 5000 Mitglieder, außerdem gebe es viele Sozialdemokraten in den Verwaltungen und Unterstützer bei den Gewerkschaften. „Scheinbar langt das hier.“

Patrick Weilbach hatte im Wahlkampf auch auf seine Jugendlichkeit gesetzt. Der Unternehmensberater, der seit seinem 16. Lebensjahr immer selbstständig gearbeitet hat, schaffte es aber nicht, die jungen Wähler zu mobilisieren. „Es ist schwierig, die jungen Menschen zu erreichen“, sagt Weilbach. Dazu sei ein solcher Wahlkampf zu kurz.

Kritisch ergänzt er an die Adresse der Jüngeren gerichtet. Viele klagten über Perspektivlosigkeit, seien aber im Gegenzug auch nicht bereit, sich an den politischen Prozessen zu beteiligen. Damit erklärt der Christdemokrat unter anderem die überaus geringe Wahlbeteiligung von 26,3 Prozent. „Mit so wenig habe ich nicht gerechnet.“

Mit dem Achtungserfolg vom Sonntag in der Tasche hebt Patrick Weilbach keineswegs ab. Er wolle erreichen, sagt er, dass die CDU auf Kreisebene bei der Kommunalwahl im März 2016 ein ähnlich gutes Ergebnis erziele. Dafür kämpfe er weiter im Landkreis Kassel.

Einen höheren Posten bei den Christdemokraten, etwa auf Bundes- oder Landesebene, hat der 27-Jährige aktuell nicht im Blick. „Für mich war Politik bisher immer nur ein Hobby“, sagt er. „Ich muss nicht zwingend in die Politik. Ich werde mich da nicht aufdrängen. Wenn ich gebraucht werde, stehe ich parat.“

Und dann wird Patrick Weilbach doch noch emotional. Auf die Frage nämlich, was ihm aus dem Wahlkmpf besonders im Kopf geblieben sei, sagt er: Der Wahlkampf sei von Seiten der SPD eine Schmutzkampagne gewesen. Zum einen spielt der Baunataler auf die von der SPD initieierte, aber nicht offen als SPD-Initiative deklarierte Internetseite „Wo Weilbach irrt“ an.

Zum anderen habe die SPD darauf abgehoben, wie er denn es als so junger Kandidat wagen könne, den armen, älteren Landrat anzugreifen. Den Wahlkampf habe er sich anders vorgestellt, sagt Weilbach. „Das finde ich ein bisschen schade.“

Von Sven Kühling

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.