Deutsche Meisterschaft im Turnierwurfsport

Angeln ohne Fisch und Wasser

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Hält sich mit Turnierwurfsport fit: Käthe Hevranek war mit 86 Jahren die älteste Teilnehmerin des Wettbewerbs.

Söhrewald. Wenn Angler am Casting teilnehmen, dann singen sie nicht, sondern werfen Angelschnüre durch die Luft. Am Wochende fand in Söhrewald dafür die Deutsche Meisterschaft im Turnierwurfsport statt.

Für Turnierwerfer bedeutet Casting: Auswerfen. Austräger des Turniers war Volker Krah. Der Hobby-Angler kommt aus Söhrewald und freute sich, dass 79 Werferinnen und Werfer von elf bis 86 Jahren aus ganz Deutschland den Weg nach Nordhessen gefunden haben.

Turnierwurfsport ist eine Unterkategorie des klassischen Castingsports. „Beim Casting ist alles noch präziser und da gestaltet sich die Punkteverteilung kleinteiliger“, verrät Krah. Hier auf dem Sportplatz Am Brand in Wattenbach treffe alles aufeinander: vom geübten Meister bis zum engagierten Neuanfänger, denn Turnierwerfen kann jeder.

Konzentriert: Christian Wiesner (14) beim Meereszielwurf.

Aufgeteilt ist der Wettbewerb in Meeres- und Binnenfischer, die in den Kategorien Zielwurf und Weitwurf Punkte sammeln. Den Unterschied zwischen Meer und Binnengewässer machen Gewicht und Entfernung aus. Geht es bei den Meereswerfern darum, bis zu 100 Gramm Wurfgewicht in einen 50 Meter entfernten Ring zu werfen, müssen die Binnenwerfer lediglich bis zu 18 Gramm in einen 25 Meter entfernten Ring werfen. Beim Weitwurf gehe es um die Entfernung, wo manche bis zu 200 Meter weit kommen würden.

Deutsche Meisterschaft Turnierwurfsport in Söhrewald

Welcher Teilnehmer am meisten Erfolg hat, das macht Krah auch von der Herkunft abhängig: „Die Teilnehmer aus Schleswig-Holstein sind im Meereswerfen natürlich besser als wir hier unten.“ Er selbst betreibt seit sieben Jahren Casting und Turnierwurf und berichtet, er habe beim Üben auf dem Sportplatz schon so manchen blöden Spruch gehört. Dabei sei Turnierwerfen nichts anderes als Angeln ohne Fisch und Wasser. Und: „Wer gut werfen und zielen kann, der kommt auch beim Angeln besser klar.“ Das zeigten besonders die Fähigkeiten der Vereinsjugend, die er als Trainer des Angelsportvereins ASV Söhrewald beobachte.

Gewichtig: Volker Krah zeigt die Gewichte, die an der Angelrute hängen.

Neben Teilnehmern, die unter den Bestplatzierten landen wollen, gibt es auch solche, die die Nebeneffekte des Wettkampfs schätzen. So, wie Käthe Hevranek. Ihr gehe es nicht ums Gewinnen, sondern um die Kommunikation und das Miteinander.

Die 86-jährige Berlinerin hat vor vier Jahren mit dem Turnierwurfsport begonnen und steht mit ihrem Lebensgefährten jeden Dienstag drei Stunden auf dem Sportplatz, um zu trainieren. Es halte fit und mache einfach Spaß. „Und was ich nicht mehr kann, das lasse ich aus“, sagt sie selbstbewusst. Und Selbstbewusstsein gehört in jedem Fall zum Trockenangeln dazu.

Von Anna Lischper

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