Niestetals Bauamtsleiter Walter Becker wechselte nach 24 Jahren in Altersteilzeit

Angeln statt Pläne wälzen

Hat gut lachen: Walter Becker, früher Bauamtsleiter von Niestetal und zuletzt Projektleiter für das Gewerbegebiet Sandershäuser Berg, ist nach 24 Rathausjahren in die passive Phase der Altersteilzeit gewechselt. Hinten das fast fertige neue SMA-Servicecenter. Foto: Stier

Niestetal. Was tun, wenn die Verlockungen des Ruhestands schon am Horizont leuchten und einem kurz vorher noch mal mit der Entwicklung eines kompletten Gewerbegebietes ein richtiges Pfund Arbeit auf den Schreibtisch gepackt wird? Wenn man Walter Becker heißt, findet man das einfach Klasse, krempelt die Ärmel hoch und macht sich ans Werk.

Ende Januar, acht Tage nach seinem 60. Geburtstag, ist der frühere Bauamtsleiter von Niestetal nach 24 Jahren im Rathaus in die Altersteilzeit eingetreten und kann nun entspannt aufs Werk der vergangenen 20 Monate blicken: Gut zehn Millionen Euro hat die Gemeinde am Sandershäuser Berg in Kanal- und Wasserleitungen und den Straßenbau verbuddelt - und immer saß SMA dem Projektleiter Becker mit seinem engen Zeitplan für die Neubauten im Nacken.

Erschwerend hinzu kamen die Altlasten des Krieges: Über zehn Tonnen Metall wurde aus dem Boden gekratzt, zwei fünf-Zentner-Bomben und hunderte Stabbrandbomben.

Doch jetzt ist alles fertig und Becker beschleicht ein „komisches Gefühl“, wenn er vom Bett in seinem Wohnhaus oberhalb der Mehrzweckhalle den Sandershäuser Berg ins Auge fasst - und er nicht gleich wieder dorthin muss. So ganz auf Null fährt der gelernte Maurer aus Lippoldsberg im Norden des Landkreises seine Arbeit für die Gemeinde aber nicht zurück. Als „wandelndes Archiv“ für alle Bauten Niestetals bleibt er weiter gefragt.

Auf 400-Euro-Basis mischt Walter Becker noch ein bisschen mit beim weiteren Ausbau des Gewerbegebietes.

Mit hartnäckigem Bildungseifer hatte Becker die Enge des landwirtschaftlich geprägten Elternhauses („Volksschule reicht!“) hinter sich gelassen, sich auf dem zweiten Bildungsweg zum Bauingenieur hochgearbeitet, mit dem eigenen Baugeschäft schlüsselfertige Wohnhäuser hochgezogen und war schließlich dem Ruf von Bürgermeister Rainer Herbst ins Rathaus gefolgt.

Und nun? „Auf keinen Fall werde ich den Garten umgraben und Radieschen züchten“, sagt Becker. Abspecken will er, ins Fitness-Studio gehen, Wandern, Radfahren, sich für die SPD in die Kommunalpolitik einmischen und natürlich auch Ehefrau Mechthild, mit der seit 32 Jahren verheiratet ist, mehr Zeit widmen. Die drei Kinder und das Enkelkind freuen sich auch schon.

Doch sie werden den aktiven Senior immer wieder von der Leine lassen müssen: Bis 65 darf er noch in der Einsatzgruppe der Feuerwehr ausrücken („Das Adrenalin holt mich aus den Federn“), beim Hochseeangeln will er noch so manchen Dorsch und Seehecht aus dem Meer vor Norwegen ziehen. Und dann ist ja da noch der Traum vom eigenen kleinen Wohnmobil.

Von Thomas Stier

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