Ganz nah herangekommen

Angler aus Espenau entdeckten einen Biber in der Fulda

Fuldatal. Mike Niemeier (34) und Lars Hartjen (40) aus Espenau sind leidenschaftliche Angler. Am Sonntagabend standen die beiden Freunde wieder an der Fulda zwischen Wilhelmshausen und Hann. Münden, um Fische aus dem Fluss zu holen.

Als sie ein Naturerlebnis hatten, „da war uns Angeln völlig egal", wie sie sagen. Vom gegenüberliegenden Ufer schwamm ihnen ein Biber entgegen.

Was da auf sie zuschwamm, konnten die Mitglieder des Angelsportvereins Wilhelmshausen zunächst nicht erkennen. „Ich dachte erst an eine Bisamratte“, sagt Hartjen. „Dazu war das Tier aber zu groß“, ergänzt Niemeier. Dann sei ihnen schnell klar geworden: „Mit bis zu einem Meter Länge samt breitem Schwanz, das ist ein Biber.“

Sie seien ruhig geblieben, hätten sich nicht bewegt. So hätte das Tier offensichtlich keine Angst verspürt, meint der 34-jährige Industriemechaniker. So sei der Biber einmal ans Ufer geschwommen, habe mit den Vorderpfoten Schilfhalme gepackt und an ihnen genagt. „Aber nur kurz.“

Begegnung mit einem Biber: Die beiden Angler Lars Hartjen (links) und Mike Niemeier (beide aus Espenau) sahen das Wildtier in der Fulda zwischen Wilhelmshausen und Hann. Münden.

Nach 15 bis 20 Minuten sei der Biber ihnen dann ganz nah gekommen. „Wäre ich auf die Knie gegangen, hätte ich ihn streicheln können“, sagt Niemeier. Vielleicht wäre das Wildtier aber auch blitzartig abgetaucht, wie später noch einige Male. Denn wenn einer von ihnen eine Bewegung machte oder ein Geräusch, „das mochte er gar nicht“. Sei’s drum, dieses Erlebnis musste im Bild festgehalten werden. Mike Niemeier lief 500 Meter, um sein Handy aus dem Auto zu holen. Das hatte er aus Angst vor Regen nicht mitgenommen, „wir hatten nämlich kein Regenzeug dabei“. Als er zurückkam, schwamm der Biber zwar weiter „seelenruhig herum“, blieb aber mit einem Radius von acht bis zehn Metern auf Distanz. Nach etwa einer halben Stunde sei das Tier dann flussaufwärts in der Dämmerung verschwunden.

„Der Biber galt als ausgestorben, nach vielleicht 100 Jahren sind wir die Ersten, die einen hier an der Fulda gesehen haben, das ist schon verrückt“, meint Hartjen. Und als Angler: „Wenn man so ein schönes Hobby hat, muss man auch nicht immer was fangen, um ein außergewöhnliches Naturerlebnis zu haben.“ Jetzt sei ihnen aber wichtig, „dass niemand dem Tier nachstellt und dabei die Ufer platt getreten werden“, betont Mike Niemeier. Die beiden Espenauer wollen daher ihren genauen Angelplatz nicht preisgeben. Zum Schutz des Bibers und ein bisschen auch wegen ihrer Fischgründe.

An das Leben im Wasser angepasst 

Der Biber ist das zweitgrößte Nagetier der Erde. Das meist braune Fell ist mit bis zu 23.000 Haaren pro Quadratzentimeter (Mensch bis zu 600 pro Quadratzentimeter) sehr dicht und schützt vor Nässe und Auskühlung. Der Biber ist perfekt an das Leben im Wasser angepasst. Biber leben monogam. Junge Biber, die aus dem Revier der Eltern vertrieben werden, können bis zu 100 km wandern für ein eigenes Revier. (mic)

Das sagt das RP

Noch wisse man nicht, ob der gesichtete Biber an der Fulda nördlich von Kassel lebe, sagt Melanie Heil von der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium (RP) in Kassel. Einen ersten Nachweis über einen Biber habe es im Sommer 2013 in einem Naturschutzgebiet in Kassel gegeben. Bis Januar hinterließ das Tier Spuren, „dann haben wir lange nichts mehr gesehen“, sagt Heil. „Sollte man so viel Glück haben und einen Biber sehen, genießen Sie den Augenblick, verhalten Sie sich ruhig und stören das Tier nicht“, lautet ihr Appell. (mic)

Das sagt das Forstamt

Vor etwa 20 Jahren seien Biber im Spessart erfolgreich ausgesetzt worden und verbreiten sich seitdem, sagt Jakob Gruber, beim Forstamt Wolfhagen für den Naturschutz zuständig. Vielleicht sei der jetzt gesichtete Biber jener, dessen Spuren 2013 in Kassel gesehen wurden. „Die Fulda ist ein optimales Revier für Biber, weil Wasser immer da ist, die Tiere also keinen Staudamm bauen müssen“, sagt Gruber. Sei der Biber ein erwachsenes Einzeltier, wolle er eine Familie gründen. Finde er keinen Partner, ziehe er möglicherweise weiter.

Von Michael Schräer

Rubriklistenbild: © privat/HNA

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