Früheres Bergbaugebiet in Oberkaufungen: Auch weitere Gebäude an der Niester Straße betroffen

Angst, dass Häuser verschwinden

Das Loch wird tiefer: Die Erde über dem mehr als 100 Jahre alten Bergbauschacht senkt sich weiter. Die Bauaufsicht des Landkreises sieht aber keine akute Gefahr und rät, statt einer sehr teuren Grundsanierung das Loch einfach mit Kies zu verfüllen.

Kaufungen. Die Einschätzung der Gefahr, die von der Erdabsenkung im Vorgarten des Hauses 39 a an der Niester Straße in Kaufungen ausgeht, könnte unterschiedlicher nicht sein: Keine Gefahr mehr, sagt der Landkreis und auch die Gemeinde vermag keine akute Bedrohung zu erkennen. Die Bewohner der Häuser hingegen fürchten metertiefe Absenkungen über den ehemaligen Braunkohlestollen und den totalen Wertverlust ihrer Immobilien.

Nach einem Ortstermin mit der Bauaufsicht des Landkreises Kassel wurde die polizeiliche Sperrung des Bereichs aufgehoben. Rebecca Loos, Eigentümerin des Hauses, erhielt den Rat, das Loch über einem 32 Meter tiefen Schacht der früheren Braunkohlezeche Freudental einfach mit Kies zu verfüllen. Anschließend wäre der Garten wieder normal nutzbar.

Die junge Frau sieht das anders: Die Vorbesitzer hätten bereits in den Jahren 2003 und 2004 das aufbrechende Loch mehrfach verfüllt - ohne dauerhaften Erfolg. Inzwischen haben sich weitere Teile des Gartens gesenkt, die Umrisse des schon 1927 verfüllten Schachtes sind klar erkennbar. Rebecca Loos: „Ich kann da nicht einfach Kies reinschütten. Ich bin doch verantwortlich für die Sicherheit und dass niemand in das Loch stürzt.“

Noch mehr Angst haben die Bewohner der angrenzenden Reihenhäuser vor einem Wasserstollen, der nach Aufzeichnungen der Zeche Freudental parallel zur Niester Straße direkt unter den neun Häusern in etwa neun bis zehn Metern Tiefe verläuft. Ob der noch da ist, in welchem Zustand er sich befindet und ob er einbrechen könnte, weiß niemand.

Der von der Gemeinde Kaufungen bestellte Dortmunder Geologe Dr. Michael Clostermann jedenfalls sah in seinem Gutachten vom Mai dieses Jahres dringenden Handlungsbedarf.

Wertverlust befürchtet

Yvonne Härtling, Nachbarin von Rebecca Loos, meint: „Die Häuser hätten hier gar nicht gebaut werden dürfen.“ Sie und ihr Mann Thomas Dümer-Härtling fürchten den totalen Wertverlust ihres Hauses, wenn der Stollen nicht erkundet und gegebenenfalls verfüllt wird. Beim Kauf habe es keinerlei Hinweis auf Gefahren durch den früheren Bergbau gegeben.

Fast täglich, berichten beide Familien, gebe es ein Rumpeln und Rumoren im Untergrund, Scheiben und Gläser klirrten, die Kinder hätten Angst. Rebecca Loos: „So kann das doch nicht bleiben, wir wollen einfach wieder normal leben.“

Inzwischen hat sich die Bürgerinitiative Bergbaugeschädigter gegründet. Sie informiert auf www.kaufungen-bib.eu

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Von Thomas Stier

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