Anlieger der B 3 in Wilhelmshausen klagen über abgesenkte Fahrbahnteile

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Nimmt Maß: Günter Schäfer direkt vor der Zufahrt zu seinem Haus, das oberhalb der massiven Stützmauer aus Beton liegt. Die Fahrbahn senkt sich in Teilen bis zu drei Zentimeter ab.

Fuldatal. Damals hatte Günter Schäfer einen Anwalt eingeschaltet und Wiesbaden mit Klage gedroht. Da habe die Landesregierung eingelenkt, sagt der 56-jährige Wilhelmshäuser. „Die komplette Ortsdurchfahrt wurde abgefräst und neu asphaltiert.“

Gut 20 Jahre sei das her, jetzt haben Anlieger der Bundesstraße 3 wie Günter Schäfer die gleichen Probleme wie damals.

„Seit sechs Jahren senkt sich die Fahrbahn im Bereich der alten Kanalquerungen“, sagt der Wilhelmshäuser. „Die Lkw heben regelrecht ab und setzen nach ein, zwei Metern wieder auf. Das macht Krach und führt zu Schäden an der Fahrbahn.“

Ganz schlimm sei der Lärm durch Lastwagen mit Containern oder wenn die schweren Mehrachser der Landwirtschaftlichen Transportgesellschaft im Herbst mit bis zu 20 Fahrzeugen „rund um die Uhr Zuckerrüben fahren“. Aber auch zu anderen Jahreszeiten rolle der Schwerlastverkehr über die B 3 durch Wilhelmshausen, „das geht um 4 Uhr los“ mit der Auslieferung von Lebensmitteln. Von denen seien „viele schnell unterwegs, deutlich über 50 km/h“, meint der Hauseigentümer.

Seit drei Jahren beobachtet er, dass die Vorderfront seines Gebäudes durch die Erschütterungen Risse bekommt. Das Haus, Ende des 19. Jahrhunderts massiv gebaut mit einem dicken Sockel aus Sandstein, steht oberhalb der Bundesstraße. Zum Teil auf Fels und auf einer Stützmauer, die im unteren Teil neben der Fahrbahn 1,20 m dicken Beton aufweise. Die Mauer gehöre dem Land, eigentlich habe er gedacht, dass dieses Bauwerk die Erschütterungen abfange. Das sei offensichtlich nicht der Fall.

„Die letzten eineinhalb, zwei Jahre ist das ganz schlimm geworden mit dem Lkw-Verkehr“, sagt Heidemarie Schiffmann, Nachbarin von Günter Schäfer. In ihrem Fachwerkhaus gingen durch die Erschütterungen die Schränke auf. „Das ist nachts wie im Geisterhaus.“ Selbst das Intensivpflegebett ihres schwerkranken, inzwischen verstorbenen Mannes habe sich bewegt.

Eine Fahrbahndelle liegt direkt vor ihrer Garageneinfahrt. Und etwas versetzt Richtung Kassel gibt es ein Schlagloch in der Fahrbahn. „Seit diesem Winter“, sagt die 62-Jährige. Setzt dort ein schwerer Lkw auf, könne sie im Haus hören, „wie sich die Balken bewegen“.

Bei der für die B 3 zuständigen Straßenbaubehörde Hessen Mobil habe man diesen Hinweis und ihre Beschwerde nur abgewiegelt. Unter anderem mit dem Argument, ein Fachwerkhaus könne die Erschütterungen verarbeiten und stürze daher nicht ein. „Wir werden nur für dumm verkauft“, sagt Heidemarie Schiffmann.

Erste Hinweise schon 2009

Mit dem Hinweis über sich absenkende Fahrbahnbereiche der B 3 in Wilhelmshausen wandte sich Anwohner Günter Schäfer nach eigenen Angaben Mitte Oktober 2009 erstmals an das Amt für Straßen- und Verkehrswesen (heute Hessen Mobil). Wenige Tage später sei ihm mitgeteilt worden, dass die Straße 2010 abgefräst und neu asphaltiert werde. Dies geschah aber nicht. Als der Hauseigentümer im Mai 2010 nachfragte, hieß es, für die Arbeiten sei kein Geld da.

Da auch nach jüngsten Protesten nichts passierte, sammeln Schäfer, Nachbarin Heidemarie Schiffmann und weitere Anlieger Unterschriften in Wilhelmshausen. Diese wollen sie mit Protestschreiben an die Straßenbaubehörde Hessen Mobil schicken. In dem Schreiben erwägen die Initiatoren auch Ansprüche auf Schadenersatz, sollte die Ortsdurchfahrt nicht instand gesetzt werden. (mic)

Das sagt die Straßenbaubehörde

In der Vergangenheit habe es aus Wilhelmshausen Beschwerden wegen klappernder Kanaldeckel gegeben, sagt Horst Sinemus, Sprecher der Straßenbaubehörde Hessen Mobil. Diese Beschwerde habe man an die Gemeinde weitergegeben, die hierfür zuständig sei und die Probleme behoben habe.

„Weitere Schäden sind uns nicht bekannt“, sagt Sinemus. Und: „Für 2013 sind für die Bundesstraße 3 in Wilhelmshausen keine Sanierungsmaßnahmen vorgesehen.“ (mic)

Von Michael Schräer

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