Tauziehen um Lärmschutz

B 7 in Vellmar: Anlieger machen mobil gegen Verwaltung und Tempo 100

Vierspurige Ausfallstraße: Die B7 (hier ein Blick von der Brücke Nordstraße) darf im Bereich Vellmar mit Tempo 100 befahren werden, obwohl sie zum Teil dicht an Wohnbebauung vorbeiführt. Anwohner glauben, dass die Betonwände (Mitte) den Lärm verstärken.

Vellmar. Seit Jahren fordern Anlieger in Vellmar, deren Grundstücke dicht an der viel befahrenen Bundesstraße 7 liegen, zusätzlichen Lärmschutz auf dem rund zweieinhalb Kilometer langen Abschnitt zwischen Triftstraße und Nordstraße. Die Fronten sind verhärtet:

Die für die Unterhaltung der autobahnähnlich ausgebauten Straße zuständige Behörde Hessen Mobil hält mehr Schallschutz nicht für nötig, weil die gesetzlichen Grenzwerte nicht überschritten würden. Betroffene zweifeln die Berechnungsverfahren und Datengrundlage von Hessen Mobil an.

Nun könnte Bewegung in die Sache kommen: Anlieger haben eine Unterschriftenaktion gestartet, voraussichtlich im Januar wird es eine Anliegerversammlung geben, zu der die Stadt auch Vertreter von Hessen Mobil einladen will. „So weit sind wir noch nie gekommen“, freut sich Vera Görl, betroffene Anwohnerin von der Nordstraße. Sie leidet wie ihr Nachbar Joachim Spengler nicht nur unter dem Lärm der Bundesstraße: In der Nähe ihrer beiden Häuser verlaufen auch Auffahrten zur Bundesstraße und die Landesstraße 3234. „Wir können seit Jahren unseren Garten nicht benutzen“, sagt Görl.

Spengler sitzt wegen des Lärms nicht mehr auf dem Balkon, der Schall dringe sogar durch die Lärmschutzfenster. Durch die vor vier Jahren eingebauten Betongleitwände auf dem Mittelstreifen sei es noch schlimmer geworden. Sie fordern Lärmmessungen von Hessen Mobil und dann konkretes Handeln: Einbau eines sogenannten Flüsterasphalts, gläserne Schallschutzwände oder ein Tempolimit.

Genau das lehnt die Behörde jedoch ab. „Lärmmessungen dürfen nicht als Grundlage für Lärmschutzmaßnahmen dienen“, sagte Horst Sinemus, Pressesprecher von Hessen Mobil. Die mathematische Berechnungsmethode der Behörde sei gerechter, weil sie mit Erfahrungswerten arbeite und nicht nur Augenblickssituationen berücksichtige. Danach würden Grenzwert an der B7 nicht überschritten.

Ob die Behörde damit recht hat, das lässt ein Anlieger der Parkstraße nun vom Kasseler Verwaltungsgericht überprüfen, wie Sinemus auf Anfrage bestätigt. „Hessen Mobil hat die Zahlen schöngerechnet“, glaubt der Vellmarer Kläger, der seinen Namen nicht in der Zeitung sehen möchte. Schon die zugrunde gelegte Menge von rund 20 000 Fahrzeugen pro Tag sei nicht mehr aktuell.

Auch hätten Messungen einer Firma deutlich höhere Lärmwerte als von Hessen Mobil berechnet ergeben. Er habe auch vergeblich versucht, die billigste Lösung für einen Lärmschutz zu erreichen: Der Landkreis habe seinen Vorschlag auf Einführung eines Tempolimits von 60 Km/h (statt der jetzt erlaubten 100) abgelehnt.

Die Fraktionen der Vellmarer Stavo haben grünes Licht für eine Anliegerversammlung gegeben.

Von Peter Dilling

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