Stadt gibt Feuerwehrverein keine Genehmigung

Anwohner befürchtet Gesundheitsgefahr: Rengershäuser Osterfeuer fällt aus

Für viele faszinierend: Osterfeuer haben durchaus ihren Reiz. In Rengershausen wurde die Veranstaltung abgesagt, weil sich ein Anwohner beschwert hat. Das Archivbild stammt aus Hohenbünstorf bei Uelzen. Archivfoto: dpa

Baunatal. Osterfeuer – das hat in Rengershausen Tradition. Bereits zum 14. Mal wollte der Feuerwehrverein am Ostersamstag die Flammen am Sportplatz entfachen. Doch daraus wird nun nichts.

Anwohner Peter Ludwig, selbst Mitglied der Einsatzabteilung der Rengershäuser Brandschützer, sieht gesundheitliche Gefahren für seine Familie durch die Rauchentwicklung. Daraufhin hat die Stadt keine Feuergenehmigung erteilt. Jetzt fällt das Osterfeuer in Rengershausen ins Wasser.

Das Osterfeuer ist im Ort anerkannt. 500 Gäste kamen laut René Krug vom Vorstand des Feuerwehrvereins in den vergangenenn Jahren zum Sportplatz. „Das hat sich zu einem Event entwickelt“, sagt er. Doch schon im vergangenen Jahr habe sich angedeutet, dass der Anwohner Bedenken hat wegen der Rauchentwicklung.

Besondere Brisanz bekommt die Beschwerde, weil Peter Ludwig aktives Mitglied der Feuerwehr Rengershausen ist. „Ich bin selber aktiver Feuerwehrmann – seit 27 Jahren“, sagt der 47-Jährige. „Mein Großvater war Gründungsmitglied.“

Ludwig nennt vor allem zwei Gründe, warum er gegen das Osterfeuer an dieser Stelle ist. Zum einen sei sein Haus genau in der Hauptwindrichtung gelegen. „Ich habe wochenlang den Gestank im Haus.“ Zum anderen litten er und vor allem seine 71-Jährige Mutter an Asthma. Das Wohnhaus ist nach Einschätzung Ludwigs etwa 300 Meter von der Feuerstelle entfernt.

Stadtsprecher Roger Lutzi bestätigt den Vorgang auf Anfrage. Der Anwohner habe bei der Stadt schriftlich „Einspruch gegen den Abbrandort“ eingelegt, sagt er. „Er hat uns angedroht, dass er uns alle dadurch entstehenden Kosten anlasten würde“, so der Sprecher weiter. Nach Abwägung sei man im Rathaus zu dem Ergebnis gekommen, dass das Risiko durch Ansprüche auf Schadenersatz für die Stadt zu groß sei. Deshalb habe man dem Veranstalter keine Genehmigung erteilt.

Die Feuerwehrspitze versuchte nach der Beschwerde noch einen Kompromiss mit Ludwig zu erzielen. René Krug betont, dass sich der Vorstand des Feuerwehrvereins um diesen bemüht habe. Der Veranstalter habe beispielsweise eingesehen, sagt er, dass das Feuer in den vergangenen Jahren „vielleicht etwas zu groß geraten ist“. Doch eine Diskussion mit dem Betroffenen sei nicht mehr möglich gewesen.

Dass das Feuer ausgeufert sei, diesen von der Wehr selbst genannten Kritikpunkt führt auch Peter Ludwig an. Ein Landwirt habe 60 Ladungen Holz im Traktoranhänger dorthin gefahren. „Das war kein trockenes Holz“, sagt Ludwig. Und: „Der Rest vom Dorf kam auch noch dazu.“

„Ich bin nicht gegen das Osterfeuer“, sagt der Betroffene abschließend. „Ich bin nur gegen den Abbrandort.“

Aber wäre das Feuer an einem anderen Ort in Rengershausen möglich? Laut Krug ist das so schnell nicht zu realisieren. „Es ist nicht einfach einen attraktiven Platz zu finden.“

Meinung zum Thema: Ein Pro und Kontra

Pro: "Zum Feuer gehört Feuer"

Das Osterfeuer ist bei den Rengershäusern beliebt. Viele Familien haben in den vergangenen Jahren die traditionelle Veranstaltung am Sportplatz genossen. Die Feuerwehr hatte damit einen Platz geschaffen, an dem sich die Menschen aus dem Dorf in lockerer Atmosphäre trafen, miteinander redeten und feierten. Die Flammen und ihre Wärme machen die Veranstaltung aus. Ein Osterfeuer ohne Feuer ist wie Weihnachten ohne Weihnachtsbaum. Natürlich darf der Holzstapel nicht zu groß sein, auch hat feuchtes Holz darauf nichts zu suchen. Maßvoll müssen Veranstalter und Besucher in der Natur agieren. Grundsätzlich aber Umweltgesichtspunkte und Gesundheitsgefahren dagegen ins Feld zu führen, ist übertrieben. Dann müsste man jedes Bundesligaspiel absagen, weil dafür tausende Autos von Besuchern Abgase in die Luft pusten, zu Lasten aller. Schließlich reisen die Fans auch einfach nur so zum Spaß an.

Von HNA- Redakteur Sven Kühling

Kontra: "Gesundheit geht vor"

Gesundheitliche Probleme bei seiner asthmakranken Mutter und eine Wohnung, die tagelang nach Rauch stinkt: Es sind starke Argumente, die Peter Ludwig gegen das Osterfeuer in Rengershausen anführt. Sie sind auch deshalb stark, weil der Anwohner selbst Feuerwehrmann ist und weiß, was die stinkenden Rückstände anrichten können. Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Den Menschen soll nicht der Spaß am Osterfeuer genommen werden. Wenn überhaupt, sollte das Spektakel aber dort stattfinden, wo niemand direkt beeinträchtigt wird. Es ist ohnehin schwer zu erklären, dass wir mit Umweltzonen und Rußfiltern gegen die Feinstaubbelastung vorgehen, zu Ostern aber Qualm machen, was das Zeug hält. Die Gesundheit und der Umweltschutz müssen mehr zählen als die Tradition. Osterfeuer sind in unseren Breiten ohnehin eine Mode aus der jüngeren Zeit.

Von HNA- Redakteur Peter Ketteritzsch

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