Rewe sagte Aktion in Schulen ab – Ministerium hatte protestiert – Händler im Kreis verschenkten Früchte

Im Apfeltag steckte der Wurm drin

Rewe-Aktion: Nur in den Märkten ließ Rewe die Gratisäpfel verteilen. In den Grundschulen wurde die Aktion auf Druck des Ministeriums abgesagt. Archivfoto: Schräer

Kreis Kassel. Zurückgezogen worden war im Vorfeld der für Donnerstag geplante Apfeltag der Supermarktkette Rewe in den Grundschulen. Der Grund: Das Kultusministerium hatte interveniert, da Rewe auf eigene Faust und ohne Wissen des Ministeriums mit den Schulen Abmachungen getroffen hatte.

Viele Schüler kamen trotzdem in den Genuss der Äpfel. Denn viele Rewe-Märkte schenkten den Schulen kurzerhand das Obst - mit Billigung des Unternehmens, wie Pressesprecher Raimund Esser auf Anfrage unserer Zeitung betonte: „Jedem Filialleiter bleibt es überlassen, was er mit den Äpfeln macht.“ Wieviele Schulen und Märkte im Landkreis Kassel an der Aktion teilnehmen sollten, konnte Rewe nicht sagen. In Deutschland sollten es 500 Märkte sein.

Einer, der nach dem Stopp der Aktion spendete, war Filialleiter Valentin Ehlert, der einen Rewe-Laden in Rothwesten betreibt. 50 Kilo Obst gingen an die 65 Kinder der Geschwister-Scholl-Schule. Genauso wie Daniel Bänsch vom Markt Hünecke in Lohfelden, der der Grundschule Vollmarshausen 180 Äpfel zukommen ließ. Diesen Weg wählte auch Hussein Ismail für seinen Markt in Baunatal. 200 Früchte schenkte er den 171 Schülern der Grundschule Am Stadtpark. Deren Leitung ging mit der Schenkung besonders korrekt um: Angesichts der Kritik des Ministeriums wurden vor der Verteilung von allen Äpfeln die Rewe-Aufkleber entfernt, sagte Schulleiterin Stephanie Gorny.

Der Rewe-Markt in Espenau wollte sich zur Absage nicht äußern. Geplant war, das Obst offiziell der Grundschule Espenau zu übergeben. Die bietet regelmäßig ein gesundes Pausenfrühstück an. Seinen Apfeltag veranstaltete Rewe gestern trotzdem, beschränkte sich jedoch auf die Verteilung der FRüchte in seinen Märkten. Zehn Cent für jeden Apfel werden abgezweigt, um 100.000 Euro an SOS-Kinderdörfer zum Bau einer Schule in Ghana überweisen zu können.

Von Stefan Wewetzer

Hintergrund

„Wir haben nichts gegen knackige Äpfel und sind kein Spielverderber“, sagte am Donnerstag der Sprecher des Kultusministeriums, Christian Henkes. „Aber Werbung hat an unseren Schulen nichts zu suchen.“

In der Dienstordnung für alle Schulen sei klar geregelt, dass - auch wenn eine „erhebliche Zuwendung“ vorliege - eine über die Nennung des Namens der zuwendenden Person oder Einrichtung hinausgehende Produktwerbung „unzulässig ist“.

Es sei „absurd, in der Unterrichtszeit Äpfel verteilen zu wollen“.

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