Fünfeinhalb Jahre nach Sanierung

Defekte Fliesen: Aqua-Park droht monatelange Schließung

Baunatal. Nur fünfeinhalb Jahre nach der umfassenden Sanierung des Aqua-Parks Baunatal droht Badegästen möglicherweise eine monatelange Schließung und der Stadt Baunatal erhebliche Einnahmeausfälle und Reparaturkosten mindestens im deutlichen fünfstelligen Bereich. Außerdem droht ein langwieriger Rechtsstreit.

Der Grund: Fliesen in dem Bad haben sich zum Teil großflächig abgelöst. Ein Teil des Erlebnisbeckens, das gern von kleinen Kindern und Familien genutzt wird, musste bereits abgesperrt werden.

Die ersten Schäden an Fliesen seien bereits im Spätsommer vergangenen Jahres bemerkt worden, sagte Baunatals Erste Stadträtin Silke Engler. Man habe dann versucht, sich mit den Firmen zu einigen, die das Bad gefliest haben. Das sei leider nicht gelungen. Es sei strittig, wer die Schäden an den Fliesen zu verantworten habe und wie groß dieser Schaden sei, sagte Engler. Deshalb habe die Stadt im Spätherbst ein sogenanntes selbstständiges Beweissicherungsverfahren beim Landgericht Kassel angestrengt.

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Bevor der gerichtliche Gutachter die Schäden nicht untersucht hat, kann die Stadt keine Reparatur in Auftrag geben, ohne später Nachteile bei der Beweisführung vor Gericht zu erleiden. Die Stadt wolle – um die Ausfälle zu verringern – die Reparatur gern im Sommer beginnen, wenn wenigstens das Sportbad für den öffentlichen Badebetrieb geöffnet sei, erklärte Engler. Der Stadt läuft aber die Zeit weg: „Leider hat das Gericht bis heute keinen Gutachter bestellt“, sagte die Erste Stadträtin. Die Stadt habe ihrerseits rechtzeitig reagiert, erklärte Engler. Wenn es ganz schlimm kommt, könnten Baunataler Schwimmer dieses Jahr eine Weile ganz auf dem Trockenen sitzen: Denn wegen dringender Brandschutzmaßnahmen muss auch das Sportbad möglicherweise ganz geschlossen werden. Darüber führe man noch Gespräche mit den Vereinen, sagte Engler.

Schäden unübersehbar

Artikel aktualisiert um 17.35 Uhr 

Die Fliesenschäden im Aquapark sind inzwischen unübersehbar. Betroffen ist neben dem Erlebnisbecken der keramische Belag neben dem Sprungturm. Ein ganzer Streifen hat sich abgelöst. Andere Fliesen weisen Risse auf. Auch dicht an einer Ausstiegsleiter neben dem Schwimmerbecken haben sich Fliesen gelöst. Sie wurden provisorisch mit Kunststoffmatten abgedeckt. Eine Topfpalme am Beckenrand verhindert, dass Schwimmer sich dort aufhalten. Unklar sei momentan auch, ob es reicht, nur die schadhaften Bereiche neu zu fliesen oder ob der darunterliegende Estrich ebenfalls schadhaft sei, sagte Engler.

Archiv-Fotos: Aqua-Park Baunatal

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Wenn sich an das Beweissicherungsverfahren ein Prozess anschließt, könnte es kompliziert werden. Denn die Stadt hatte seinerzeit laut Engler während der Sanierungsarbeiten die Fliesenlegerfirma ausgewechselt, weil man mit dem ersten Vertragspartner nicht zufrieden gewesen sei.

Hintergrund

Bereits im Jahr 2008 wurde der Aqua-Park in Baunatal gut ein Jahr lang umfangreich saniert. Unter anderem mussten damals auch Teile des Daches und der Fassade erneuert werden. Die Nägel, durch die die kupferne Verkleidung an Dach und Attika (oberer Teil der Fassade) befestigt war, waren damals vollständig durchgerostet. Auch die hölzerne Unterkonstruktion war marode und musste erneuert werden. Die Sanierung des Bades verschlang damals knapp fünf Millionen Euro.

Die Stadt Baunatal rechnet mit Reparaturkosten im fünfstelligen Bereich. Hinzu kommen Einnahmeausfälle. Ein gerichtlicher Gutachter soll die Schäden untersuchen. Erst danach können Aufträge für die Reparatur vergeben werden.

2008 wurde das Bad bereits für knapp fünf Millionen Euro saniert. (mkx)

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