Arbeitsamt zu SMA: Chancen auf neue Jobs schlechter als 2011

Kassel/Niestetal. Die Chancen für die SMA-Mitarbeiter, die entlassen werden, neue Jobs zu finden, sind laut Arbeitsagenturchef Detlef Hesse nicht mehr so gut wie noch vor einem Jahr. Am Freitag wurden die Beschäftigten während der Betriebsversammlung informiert.

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Zurzeit sei ein „deutlich schwächelnder Arbeitsmarkt“ zu beobachten. Zumal seien kurz vor dem Winter die Aussichten ohnehin schlechter als im Frühjahr oder Herbst. Ein Teil der Zeitarbeiter des SMA-Personaldienstleisters Team Time habe die Beschäftigung bereits in den vergangenen ein bis zwei Monaten verloren.

Bisher habe man nur wenige davon vermitteln können. Generell würden im Zeitarbeitsbereich momentan vermehrt Verträge nicht verlängert – laut Hesse ein typischer Indikator für eine nachlassende Konjunktur. Bei einem großen Teil der von Entlassung betroffenen SMA-Mitarbeiter handele es sich um angelernte Arbeitskräfte, viele davon hätten keinen Berufsabschluss. In diesen Fällen biete man in der Regel eine berufliche Weiterbildung an, sagt Hesse.

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„Je höher die Qualifikation, desto geringer das Risiko, als erster entlassen zu werden.“ Vor einem Jahr hatte SMA ebenfalls 1000 Zeitarbeiter nicht weiterbeschäftigt. Mehrere hundert davon waren direkt von der WOB AG übernommen: Volkswagen hatte zeitgleich dringend nach Mitarbeitern gesucht.

Die SMA-Leiharbeiter sind über die Kasseler Zeitarbeitsfirma team-time GmbH beschäftigt. Geschäftsführerin Ute Urbon erklärte auf Anfrage, dass sie eine derart große Zahl nicht anderweitig unterbringen könne. Die meisten gingen zunächst in die Arbeitslosigkeit. (rud)

Betriebsversammlung

Mitarbeiter sorgen sich

Sie schüttelten den Kopf. Sie winkten ab. „Kein Kommentar“, das sagten die meisten SMA-Mitarbeiter am Freitag beim Verlassen der Kasseler Messehallen. Dort fand am Nachmittag eine Betriebsversammlung der Niestetaler Solarfirma statt. Nur wenige Beschäftigte waren bereit, sich gegenüber der HNA zu äußern.

„Natürlich habe ich Angst um meinen Arbeitsplatz“, sagte ein Mitarbeiter. Es sei die Ungewissheit, ob er vom Stellenabbau betroffen sein wird oder nicht, die ihm zu schaffen mache. Die Unternehmensführung hatte am Freitag den Mitarbeitern während der Betriebsversammlung zwar erklärt, wie viele Arbeitsplätze wegfallen und welche Bereiche davon betroffen sein werden. Doch wer genau das Unternehmen verlassen muss, stehe noch nicht fest.

Einige sind sich jedoch bereits sicher, dass sie vom Arbeitsplatzabbau betroffen sein werden. „Ich habe nur einen befristeten Arbeitsvertrag bis Ende des Jahres.“ Der werde sicher nicht verlängert, befürchtet ein junger Mann. Ein Kollege machte sich Sorgen um seine Familie: „Ich bin Alleinverdiener und habe Verantwortung gegenüber meiner Familie.“ Er wisse aber nicht, ob sich dafür bei SMA jemand interessiere. Fünf Jahre habe er am Erfolg der Firma mitgearbeitet und nun gehe es nur darum, wer als nächstes gehen dürfe. „Das tut weh.“

Pressesprecherin Anja Jasper berichtete gegenüber der HNA, dass es in Kürze Gespräche vom Vorstand mit dem Betriebsrat geben werde. „Es wird für die zu entlassenden Festangestellten ein Abfindungsprogramm geben“, sagte sie. Ein Mitarbeiter erzählte, dass es in der Firma bereits seit drei, vier Wochen Gerüchte gegeben habe, dass Stellen abgebaut werden müssten. „An solchen Gerüchten ist ja meistens auch etwas dran.“

Während der Betriebsversammlung selbst sei jedoch sehr sachlich diskutiert worden und der Vorstand habe in Ruhe die Fragen der Beschäftigten beantwortet. „Es gab keine hitzigen Diskussionen oder gar Wortgefechte“, schilderte ein Augenzeuge seine Wahrnehmung. Die SMA-Führung habe den Mitarbeitern ihre Zukunftsstrategie vorgestellt und sogar einen optimistischen Ausblick gewagt.

Nur wenige Beschäftigte des Solarunternehmens verließen allerdings entspannt die Betriebsversammlung. Die Ankündigung, dass in der Entwicklungsabteilung keine Stellen abgebaut werden sollen, sorgte bei wenigen für Erleichterung. In dem Bereich kündigte SMA weitere Investitionen an. (flq)

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