Mehr als 200 bei Frauenfrühstück der ASF

Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen zieht positive Bilanz

Kreis Kassel. Normalerweise arbeitet Anette Milas, bis vor Kurzem Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) im SPD-Unterbezirk, gut mit ihren männlichen Kollegen zusammen. Bei Sitzungen ist sie dennoch manchmal genervt.

Viele Männer verhalten sich nach dem Motto „Es ist alles gesagt, aber noch nicht von jedem“, meint Milas mit einem Schmunzeln.

Silvia Nolte, ihre Nachfolgerin an der Spitze der SPD-Frauen, entgegnet den Männern dann mit weiblicher Sachlichkeit: „Ich rede über alles, aber nicht über zehn Minuten.“ Beim Unterbezirksparteitag der SPD am Freitag, 4. April, wollen sie ihre Kollegen mit einem ASF-Antrag zur Selbstbeschränkung ihres Redeflusses zwingen.

Die geplante Parteitagsaktion oder gar lautstarker Protest sind nicht gerade typisch für die ASF. Vorbei sind die Zeiten der 70er-Jahre, als die SPD-Frauen sich im Kampf um Gleichberechtigung mit lila Latzhosen in die Demonstrationen von Feministinnen einreihten, wie sich Milas erinnert. Es sei ruhiger um die ASF geworden, räumt sie ein. Aber das bedeute nur, dass jetzt ein stiller Kampf um Frauenrechte, bessere Bedingungen für Familien oder für Frauen im Schichtdienst geführt werde, sagt die Baunatalerin. „Wir leisten lieber Überzeugungsarbeit, statt Plakate hochzuhalten“, ergänzt Nolte. Dabei sei allerdings „ein langer Atem und ein ruhiges Gemüt nötig“, ergänzt sie. Sie habe als Neuling in der Gemeindevertretung erlebt, dass man sich als Frau alles mühsam selbst erarbeiten muss.

Ihre männlichen Kollegen habe sie beispielsweise vor Jahren überreden können, das Frauenhaus mit Zuschüssen zu unterstützen, als das Land Hessen unter dem früheren Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) die finanzielle Hilfe eingestellt habe, erzählt Nolte. Auch für den Erhalt einer Geburtshilfestation in Wolfhagen habe die ASF mitgestritten, sagt Milas, allerdings erfolglos. Die Kungelei der Männer um die aussichtsreichen Listenplätze hätten sie ebenfalls beendet, berichtet sie. Der Anteil der Frauen im Kreistag liege schon bei über 40 Prozent. „Das ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit der ASF“, meint Milas. Im gesamten Unterbezirk seien ein Drittel der Mitglieder Frauen.

Die beiden ASF-Spitzenfrauen räumen aber auch Probleme bei der Mobilisierung von Frauen für die Politik ein. Es sei schwer, gerade die jungen Frauen zu gewinnen. Das liege auch daran, dass sich die Männer im Privaten oft noch nicht an die neue Rollenteilung gewöhnt hätten. Vielfach erwarteten sie immer noch, dass die Frauen nach Feierabend noch allein den Haushalt erledigen.

Trotzdem gelinge es der ASF immer wieder, Frauen neugierig auf Politik zu machen. Zum jüngsten Frauenfrühstück, längst eine Institution in der ASF, seien beispielsweise mehr als 200 Frauen gekommen, erzählt Milas. Willkommen seien dort – wie zu allen Veranstaltungen – nicht nur SPD-Anhängerinnen. (pdi)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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