Selbstbehauptungstraining: Kinder lernten, wie man vermeidet, Opfer zu werden

Armlänge schafft Distanz

Bis hierher und nicht weiter: Lenni (7, rechts vorn) zeigt Louisa (9, links) die Grenzen auf. Die Kinder des Selbstbehauptungskurses lernten, dass manchmal schon ein lauter Schrei hilft, Angreifer abzuschrecken. Fotos: Dilling

Espenau. An seiner Schule gebe es in der Pause schon einmal eine Schubserei, erzählt Felix aus Espenau. Manchmal werde daraus auch mehr. „Ich halte mich da immer heraus“, sagt der Neunjährige und ergänzt. „Wenn das mal nicht geht, würde ich mich wehren.“

Damit das gelingt, braucht man oft gar keine körperliche Gewalt anzuwenden. Das lernte Felix mit 16 weiteren Kindern beim ersten Selbstbehauptungskurs des SV Espenau kürzlich in der Sporthalle an der Goethestraße. Polizeihauptkommissar Peter Wengler, der aus Espenau stammt und für das Institut für Gewaltprävention, Selbstbehauptung und Konflikttraining (GSK) als Tainer arbeitet, zeigte den Kindern, dass oft schon lautes Anschreien hilft, um einen Angreifer abzuschrecken. Mit verschiedenen Übungen zeigt Wengler den Grundschülern, wie man mit ausgestreckten Armen für Distanz sorgt. Da geht es nicht nur um Geschubse auf dem Schulhof, wie die Reihe von Fällen sexueller Übergriffe auf Kinder gezeigt haben.

Techniken zur Selbstverteidigung spielten in diesem Alter nur eine untergeordnete Rolle, sagt Wengler. Denn die Kinder seien körperlich noch zu schwach, um gegen größere Angreifer physisch eine Chance zu haben. Es sei wichtiger, dass die Kinder lernen, mit ihrer Angst umzugehen und Selbstbewusstsein zu tanken. Allein schon das verhindere häufig, dass sie in eine Opferrolle gerieten.

Dabei helfen kleine - ungefährliche - Mutproben: Ben stellt sich mit zwei weiteren Kursteilnehmern zwischen zwei Matten. Andere Kinder springen anschließend mit voller Wucht auf die Barriere. Selbst der schmächtige Nils überwindet am Ende seine Angst. Als er den kräftigen Stoß der anstürmenden Kinder überstanden hat, klatschen alle.

Der SV wolle allen Kindern der Gemeinde die Chance bieten, an einem solchen Kurs teilzunehmen, sagten dessen Vorsitzende Uwe Fischer und Carsten Strzoda: „Wenn dieser Kurs nur einem Kind hilft, hat er seinen Zweck erfüllt. Da darf eine Mitgliedschaft im Verein keine Rolle spielen“, ergänzten sie. Für SV-Mitglieder gab es allerdings Rabatt, der aus einer Spende finanziert wurde. Wegen der großen Nachfrage werde der Kurs sicher wiederholt, ein Termin stehe aber noch nicht fest, sagte Strzoda. (pdi)

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