In der Bütt stimmte Vize-Bundeschefin Manuela Schwesig auf die Wahlen ein

Aschermittwoch der SPD: Jagd auf Muttis Zirkustruppe

Gut gelaunt: Manuela Schwesig, stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD.

Baunatal/Schauenburg. Gegen Ende kam der Problem-Peer doch in den Saal, hereingeholt vom Protokoller Berthold Krug. Der reimte mit Seitenhieb auf hohe Vortragshonorare und andere Angriffsflächen des SPD-Kanzlerkandidaten. 

„Selbst die eigenen Genossen sind bisweilen unentschlossen und fragen sich doch in der Tat, was der für ein Parteibuch hat“. Da baute sich der Beifall nur langsam auf in der Kulturhalle Großenritte, wo über 300 SPD-Mitglieder samt Gästen politischen Aschermittwoch feierten.

Doch dann nahm Krug angela Merkel aufs Korn und fragte: „Wann sind wir Mutti endlich los?“ Damit war er ganz bei Manuela Schwesig, Vize-Bundesvorsitzende der SPD, die „den schwarz-gelben Zirkus“ auf dem Narrenschiff Berlin bald beenden will. Am 22. September, dem Tag der Bundestags- und der Hessenwahl, „wird die neoliberale Welt untergehen“, so prophezeite sie aus der Bütt – tosender Beifall im Saal.

Feuertaufe für Nordlicht

Schwesig, Sozialministerin in Mecklenburg-Vorpommern, war zum zweiten Mal zum Aschermittwoch nach Großenritte gereist. Der erste vor drei Jahren sei ihre erfolgreiche Feuertaufe als karnevalsunerprobtes Nordlicht gewesen, so stellte sie gleich zu Anfang fest. Das hörten die Genossen aus Baunatal und Schauenburg natürlich gern. Ebenso gut kam an, dass Schwesig, die hauptsächlich rot-grüne Ziele in der Sozialpolitik beleuchtete, „den Manni Schaub“ hoch lobte. Baunatals SPD-Bürgermeister gehe mit gutem Beispiel voran, indem in seiner Stadt der Kindergartenbesuch nichts koste.

Einstimmung für den Wahlkampf

Einstimmung auf den Wahlkampf für die Urnengänge im September betrieben auch die SPD-Abgeordneten Timon Gremmels (Landtag) und Ullrich Meßmer (Bundestag). Gremmels erteilte der Taktik von CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier („Am Rockzipfel von Mutti Merkel glaubt er doch – er schafft es noch“) eine Absage. Meßmer kündigte für die Zeit nach der Wahl kompletten schwarz-gelben Ministerschwund an.

Nein, eine Bruchlandung solle es am 22. September nicht werden. Nicht so ein Chaos wie bei den Scheinheiligen, die in ihrer Tanzshow mit der Asbach-Uralt-Airline zum 08-15-Flug abhoben – mit Jim Beam und Jack Daniels als Piloten im Cockpit.

Die SPD will es am Steuer besser machen. Der mit viel Applaus bedachte Protokoller gab es vor: „Und Kanzler wird dann in der Tat ein Sozialdemokrat.“ Doch dachte Krug da doch weniger an Steinbrück, denn: „Ich glaub’, dass das nur eine schafft. Ihr wisst es auch: Das ist Frau Kraft.“

Zitate

  • "Holt mich hier raus, ich bin doch gar kein Star." SPD-Vizebundeschefin Manuela Schwesig unter Anspielung auf das RTL-Dschungelcamp über FDP-Chef Philipp Rösler, dessen Rücktrittsangebot nicht angenommen wurde.
  • "Wir sind gut durch die Finanzkrise gekommen nicht wegen, sondern trotz dieser Bundesregierung."

Schwesig über das schwarz-gelbe Kabinett in Berlin:

  • "Politik machen wäre ein echter Perspektivwechsel."

Schwesig über die aus SPD-Sicht untätige CDU-Bundeskanzlerin Angela Merkel.

  • "Auch wenn Matthäus sie nicht will, wird es um sie gewiss nicht still. Sie bleibt bestimmt nicht lang allein, denn Brüderle springt gerne ein."

Protokoller Berthold Krug über Bettina Wulff, die sich vom ehemaligen Bundespräsidenten getrennt hat.

  • "Nur VW, so wie man sieht, macht Jahr für Jahr noch gut Profit. Die Erklärung ist banal, das liegt an uns an Baunatal."

Der Protokoller zur Wirtschaftsentwicklung.

  • "Dem Hilgen ist nur noch zum Heulen. Sie kommen alle weg  die Säulen."

Der Protokoller über die Blitzer in Kassel, die sich als unzulässig herausstellten.

  • "Da laufen Kinder hin und her bei starkem Pkw-Verkehr. Wer so was plant, riskiert Skandale, dem fehlt der Blick für das Reale."

Der Protokoller zu den nach seiner Meinung gefährlichen Zebrastreifen am neuen Aldi-Kreisel in Baunatal.

Von Ingrid Jünemann

Fotos des SPD-Aschermittwochs

Aschermittwoch der SPD

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