Fall wird immer bizarrer

Attacke auf Radaranlage bei Kaufungen: Täter holte Axt aus Thüringen

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Der Tatort: Fünf Stunden nachdem der Thüringer bei Oberkaufungen geblitzt wurde, kehrte er mit einer Axt bewaffnet zurück und attackierte die Radaranlage. Der Mann war mit einem gestohlenen Auto unterwegs und hatte keinen Führerschein.

Kaufungen / Helsa. Der Fall des 45- jährigen Thüringers, der am Mittwochmorgen mit einer Axt eine Radaranlage an der Bundesstraße 7 bei Oberkaufungen attackiert hat, wird immer bizarrer.

Wie Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch mitteilte, wurde der Mann aus Mühlhausen mit einem gestohlenen VW-Sharan bereits um 5.28 Uhr geblitzt. Weil er kein Werkzeug im Auto hatte, sei der Täter nach Mühlhausen zurückgefahren, habe dort eine Axt und einen Bunsenbrenner geholt und sei damit nach Oberkaufungen zurückgekehrt. Dort ging er gegen 10.15 Uhr auf die Anlage los, um Beweisfotos zu vernichten. Die Auswertung der Fotos habe ergeben, dass der Mann statt der erlaubten 80 Kilometer pro Stunde (km/h) Tempo 99 gefahren sei. Am Donnerstag wurde der Mann von der Polizei in seiner Heimatstadt Mühlhausen vernommen. Bereits in Kassel habe er fünf Einbrüche und fünf Autodiebstähle gestanden, teilte Jungnitsch mit.

Der Anschlag mit der Axt war nicht die erste Attacke auf einen Blitzer in der jüngsten Zeit. Wie Burkhard Wassel, Leiter des Kaufunger Ordnungsamts, am Donnerstag im Gespräch mit der HNA erklärte, gab es vor einigen Monaten bereits einen Anschlag auf einen der so genannten Starenkästen an der B 7, und zwar zwischen Helsa und Oberkaufungen.

Ebenfalls um Beweise zu vernichten, sei damals ein Mann mit einem Vorschlaghammer auf die Radaranlage losgegangen. Die Tat, die bei einer Kontrollfahrt des Ordnungsamtes entdeckt wurde, sei allerdings nicht von der Polizei registriert worden, sagte Wassel. Entlang der einst unfallträchtigen B 7 betreiben die Gemeinden Kaufungen und Helsa gegenwärtig drei Blitzer. Mit ihnen wird kontrolliert, ob Autofahrer das Tempolimit von 80 km/h einhalten. Eine vierte Radaranlage in der Waldhofkurve bei Eschenstruth ist zurzeit wegen der dortigen A44-Tunnelbaustelle nicht in Betrieb.

Wolfgang Jungnitsch

Wie hoch der Schaden ist, den der Thüringer mit den Axtschlägen auf die Anlage angerichtet hat, war am Mittwoch noch nicht exakt zu beziffern. Das „ganz neue Gerät“ werde an den Hersteller geschickt, der die Reparaturkosten ermittele, sagte Ordnungsamtsleiter Wassel. Es müsse geprüft werden, ob das Gerät noch exakt funktioniere. Bei der Polizei war die Rede von 2000 Euro Schaden.

Auf der Bundesstraße zwischen Oberkaufungen und Helsa gilt ein Tempolimit von 80 km/h. Dieses war eingeführt worden, nachdem es über Jahre immer wieder schreckliche Unfälle mit Toten und Schwerverletzten auf der Ost-West-Verbindung gegeben hatte. Seit der Einführung gilt die Strecke als entschärft.

Von Peter Ketteritzsch

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