Münzen und Musketenkugeln: Julian Kiefer sucht in der Erde nach historischen Erinnerungsstücken

Auch Beil aus der Spätsteinzeit

Fundstücke: In seiner rechten Hand (links) hält Julian Kiefer die Figur eines Reiters, die - so vermutet er - aus dem Ersten Weltkrieg stammt. In der linken zeigt der junge Mann eine Musketenkugel. Davon hat er jede Menge gefunden. Fotos: Dilling

Baunatal. Julian Kiefers Hobby verlangt nicht nur Spürsinn, sondern auch Geduld und Fitness. Stundenlang ist er zuweilen mit einem zwei Kilo schweren Metalldetektor und einem Spaten in der Großenritter Feldmark unterwegs, um dem Acker seine Geheimnisse zu entlocken: vor allem Münzen aus vergangenen Jahrhunderten, Notgeld aus Aluminium aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, Kreuzer aus dem 19. Jahrhundert, verzierte Uniformknöpfe aus preußischer Zeit. Diese Pirsch nach Spuren der Geschichte gebe ihm „ein unbeschreibliches Gefühl“, sagt der 21-jährige Baunataler.

Sein Nervenkitzel erreichte seinen Höhepunkt, als der Auszubildende zum Baustoffprüfer vor einer Weile in den Langenbergen ein kupfernes Beil fand, das wahrscheinlich aus der Spätsteinzeit stammt. Das über und über mit Patina bedeckte Stück liegt nun beim Landesamt für Denkmalpflege zur weiteren Auswertung. Bald werde es präsentiert, sagt Kiefer.

Auch viel Schrott

Doch so viel Finderglück hat der sogenannte Sondengänger selten. „Vor allem findet man jede Menge Schrott unter der Erde“, sagt Kiefer. Dazu gehören Kronkorken und die Öffnungslaschen von Getränkedosen, aber auch die Hinterlassenschaften vergangener Kriege. Der Azubi zeigt mehrere Beutel mit Musketenkugeln aus Blei. Sogar zwei Stabbrandbomben habe er unweit des Kassel-Steigs entdeckt, berichtet der 21-Jährige. Die seien wohl von alliierten Bombern im Zweiten Weltkrieg über Großenritte abgeworfen worden. „Ich habe sofort den Kampfmittelräumdienst verständigt“, fügt er hinzu. Seine besondere Aufmerksamkeit gilt aber dem im Boden verborgenen alten Geld. Denn Kiefer ist auch Münzsammler.

Mit seinem Hobby hat sich der Großenritter einen Kindheitstraum erfüllt, wie er sagt. Schon als Junge habe er begeistert einen Film über Grabungen gesehen. Zum Geburtstag habe er dann seine erste Sonde geschenkt bekommen. Mit der sei er im elterlichen Garten auf die Suche gegangen. Heute arbeitet er mit einem wesentlich teureren Gerät. Große Vorbereitungen für seine Sondengänge treffe er nicht. „Ich verlasse mich auf mein Glück“, sagt der 21-Jährige.

Kiefer hofft, künftig bei der Ausübung seines Hobbys mit der Denkmalpflege zusammenarbeiten zu können. Zu der großen Schar von „schwarzen Schafen“ in der Sondengängergemeinde gehöre er nämlich nicht, betont der junge Mann. „Ich habe alle Bauern Großenrittes um Erlaubnis gefragt“, erklärt Kiefer. Und Funde melde er sofort.

Es gebe schließlich genug Zeitgenossen, die ihre Schatzfunde für sich behalten und später auf der Internetplattform E-Bay versteigerten, sagt der Großenritter.

Von Peter Dilling

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