Herzsportgruppe des KSV Baunatal verzeichnet starken Zulauf – Kritik an den Krankenkassen

Auch Herzpatienten können regelmäßig trainieren

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Fit trotz Herzkrankheit: Lothar Apel (rechts) und sein Stellvertreter Hans-Jürgen Krapp (links) werfen sich wie die übrigen Trainingsteilnehmer zum Aufwärmen Pizzo-Bälle zu.

Baunatal. Ein Herzinfarkt kann den Patienten nicht nur körperlich sondern auch psychisch aus der Bahn werfen. Er muss künftig ständig Tabletten nehmen, auf die Gesundheit achten, er darf sich nicht überanstrengen.

„Viele ziehen sich dann erst einmal zurück“, sagt Lothar Apel, Leiter der Abteilung Koronarsport im KSV Baunatal. „Sie wissen nicht wie sie die Lücke füllen sollen und haben doch das Gefühl: Es geht noch was“, ergänzt Übungsleiterin Dorene Brückmann.

Es geht noch was: Diese Erfahrung machen Herzpatienten, die das zertifizierte Training der Koronarsportgruppe unter Leitung von Brückmann und ihren Kolleginnen mitmachen, ständig. Sie dürfen ruhig ins Schwitzen kommen, ohne Angst vor einem Kreislaufproblem zu haben. Ein Arzt ist ständig dabei.

„Unter medizinischer Kontrolle macht Herzpatienten das Training mehr Spaß“, sagt der Arzt Thomas Bohn aus Baunatal, der am Sonntag häufig seine kleine Tochter zu den Übungsstunden mitbringt. Die gute Betreuung in der Koronarsportgruppe hat sich wohl herumgesprochen. Sie startete vor 27 Jahren mit 15 Mitgliedern, heute seien es 175, berichtet Apel. Allein seit 2011 seien 30 neue Mitglieder hinzugekommen. Den Zulauf erklärt der Abteilungsleiter ncht nur mit der zunehmenden Zahl von Herzerkrankungen sondern auch mit der Tatsache, dass es im großen Umkreis von Baunatal kein weiteres so gutes, vereinsmäßig organisiertes Herzsportangebot gebe. Das habe sich leider noch nicht überall herumgesprochen. Viele Patienten blieben dabei, auch wenn die Krankenkasse keine weiteren Stunden mehr bezahle.

Apel macht seit 16 Jahren mit. Nach seinem Infarkt habe er in dieser Gruppe zum ersten Mal überhaupt Sport betrieben, erzählt er. Dass er seither keinen zweiten Herzanfall erlitten hat, schreibt er auch der vorbeugenden Wirkung der speziellen Übungen zu. „Ich habe meine Erkrankung dadurch stabilisiert“, sagt Jürgen Prinz.

Aufwärmen mit Stäben: Übungsleiterin Dorene Brückmann zeigt, wie’s geht.

Bis vor kurzem hat der 70-Jährige selbst noch als Übungsleiter in der Koronargruppe gearbeitet. Während seiner häufigen Fortbildungen habe er erlebt, dass die Anforderungen an die Trainer ständig stiegen.

Ärgerlich findet Apel das ständige Tauziehen mit den Krankenkassen. Er habe den Eindruck, dass die Genehmigungspraxis für Koronarsport immer restrikiver wird. „Dabei haben die Kassen 28 Milliarden Euro im Sparstrumpf“, sagt er.

Laut Apel schätzen die meisten Mitglieder neben dem speziellen Training die Gemeinschaft und die sozialen Kontakte, die man in dieser Gruppe finde. Es wird Prellball gespielt. Weihnachten feiert man zusammen. Im August plant die Gruppe eine Floßfahrt.

Info und Kontakt: Lothar Apel, Telefon 0561/495724

Übungsstunden der Koronarsportgruppe: Waldsporthalle Rengershausen, samstags von 8.30 bis 11.30 Uhr (zwei Gruppen hintereinander). Info-Flyer sind in der Geschäftsstelle des KSV Baunatal erhältlich.

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