Karnevalistischer Tanzsport

Lossesterne ernten Früchte siebenjähriger Aufbauarbeit

Kraftvoll in der Luft: Selina Palt beim Schrittsprung.

Kaufungen. Sie kann es auch im Urlaub nicht lassen: Wenn andere in ihrem Alter Sandburgen bauen oder im Meer plantschen, übt Andrea Heinz Bogengänge, Spagat oder flip-flop-ähnliche Sprünge am Strand. „Das ist schwieriger als auf festem Boden, aber auch ein gutes Training“, sagt sie.

Die zehnjährige zweifache Hessenmeisterin im karnevalistischen Tanzsport steht beispielhaft für den rasanten Aufschwung, den die „Lossesterne“ des SV 07 Kaufungen seit ihrer Gründung 2007 genommen haben.

Der Erfolg ist das Resultat harter Arbeit. Davon bekommt man beim Besuch des Trainings der sieben Tanzmariechen einen Eindruck, die in der Haferbachhalle von Niederkaufungen ihren Auftritt bei der Prunksitzung der Lossesterne am Samstag, 1. März, üben: Da ist nichts von närrischer Atmosphäre zu spüren.

Beim ersten Mal mulmig

Hier sind Hochleistungsturnerinnen und Artistinnen am Werk, konzentriert auf die mehr als ein Dutzend Tanzfiguren, die sie während eines Auftritts in schneller Folge präsentieren: Bauchrolle, Schrittsprung, Spagat- und Krätschsprung oder der „Freie Vorwärts“, bei dem die Tänzerin kopfüber in der Luft zu schweben scheint. „Da ist vielen beim ersten Mal mulmig“, sagt Andrea.

Trainerin Vanessa Kraft, früher selbst jahrelang Gardetänzerin, sieht jeden Fehler. „Spannen, Gas geben“, feuert die 25-Jährige die sieben Mädchen an. „Beine auseinander, du kannst das doch“, ruft sie Carolin-Susann Reichwein (9) zu, dem Nesthäkchen der Gruppe.

Kraft hat die Garden der Lossesterne mit aufgebaut. Sie ist für die Mädchen gute Seele und Antreiberin zugleich. Vor dem Training kämmt sie den Tanzmariechen schon mal die Haare, sorgt mit Scherzen für gute Laune.

Doch wenn es um die Disziplin beim Krafttraining geht, bei dem die Mädchen ihre körperlichen Grenzen erfahren, mault die eine oder andere schon mal über Krafts Trainingsregiment. „Dann bin ich die böse Vanessa“, sagt die Trainerin.

Nur ein Punkt gefehlt

Doch meistens treibt der mit den Erfolgen gewachsene Ehrgeiz die Mädchen selbst an, lässt sie die monatelange Turnier-Odyssee an den Wochenenden, gelegentliche Zerrungen oder blaue Flecken wegstecken. Vergangene Saison habe ihr nur ein Punkt zum Sprung aufs Treppchen gefehlt, erzählt Selina Palt (11), ebenfalls neue Hessenmeisterin. Das habe sie ganz schön gewurmt.

Und Andrea Heinz hadert mit den Punktrichtern: „Wer einen Namen hat, der kriegt schon mal einen Punkt mehr“, glaubt sie. Sie müsse noch an ihrer Ausstrahlung arbeiten, sagt Selina. „Es soll leicht aussehen. Aber es ist schwierig, sich die Anstrengung nicht ansehen zu lassen.“

„Man vergisst manchmal das Lachen, wenn es ganz anstrengend ist“, erklärt Julia Gerber (10), Vize-Hessenmeisterin. Deshalb trainieren die Mädchen auch das Dauerlächeln auf dem Parkett. Der Zusammenhalt in der Gruppe hilft dabei. „Das ist meine zweite Familie“, sagt Julia Gerber.

Von Peter Dilling

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