A 44-Tunnel Hirschhagen

Schon 490 Meter tief im Berg

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Großbaustelle: Um die Arbeit in der Tunnelröhre zu ermöglichen, wird mit einem mächtigen Schlauch Sauerstoff in die Nordröhre des Tunnels gepumpt (links). Seit Donnerstag arbeiten sich die Mineure auch an der Südröhre (rechts) von Helsaer Seite vor.

Helsa / Hessisch Lichtenau. Die Baustelle ist eine der größten in der Region: 146 Arbeiter der Firmen Baresel und Köster sind bei Helsa und Hessisch Lichtenau mit dem Bau des A-44-Tunnels Hirschhagen beschäftigt. Bis 2018 werden sie am längsten Straßentunnel in Hessen und zweitlängsten in Deutschland arbeiten.

Am Donnerstag wurde am Westportal (Helsa) der Berg für die Südröhre geöffnet. Damit wird jetzt an allen vier Endpunkten gebaut. Die Nordröhre ist auf der Westseite schon 170 Meter weit vorgetrieben.

Am Ostportal bei Hessisch Lichtenau haben sich die Tunnelarbeiter seit Juni bereits 490 Meter vorgearbeitet. In 22 Monaten wollen sich die Tunnelbauer im Berg zum Durchstich treffen.

Der gelbgraue Belüftungsschlauch ist schon von Weitem zu sehen. 2,50 Meter im Durchmesser, versorgt er die Arbeiter im Tunnel mit Frischluft. Im Minutentakt fahren die schweren Lkw heran, um den roten Buntsandstein aus dem Tunnel abzufahren.

Anders als zunächst geplant, wird das Gestein am Westportal noch mit der Baggerschaufel aus dem Berg gebrochen. Sprengungen seien wegen der geologischen Verhältnisse bisher nicht notwendig, sagte Horst Sinemus, Sprecher der Straßenbaubehörde Hessen Mobil, der HNA. Weil die Sprengungen entfallen, geht der Vortrieb schneller voran. Zurzeit kommen die Tunnelarbeiter hier 7,5 Meter pro Tag voran.

Gearbeitet wird in zwei Schichten rund um die Uhr – jeweils zehn Stunden, plus eine Stunde Pause, sind die Tunnelarbeiter im Einsatz; dann werden sie abgelöst. Nur von vier bis sechs Uhr morgens ruht die Arbeit für kurze Zeit.

Eine Tunnelmannschaft besteht aus acht Mann – Frauen werden unter Tage nicht eingesetzt, da sie nach altem Glauben Unglück bringen sollen.

Ein Bagger gräbt seine zwei kräftigen Stahlzähne in die Wand und lockert das Gestein auf einer Tiefe von 1,25 Meter. Der Abraum wird in der Tunnelröhre – Durchmesser 16 Meter – von einem schweren Radlader auf einen Muldenkipper geladen. Der fährt den Abraum nach draußen. Dort wird das Gestein auf große Straßen-Lkw umgeladen und zur Deponie auf dem Hirschberg gefahren.

Ist das Material entfernt, rückt der Sicherungstrupp an. Er errichtet auf dem neuen Teilstück eine provisorische Bewehrung. Dann folgt der Einbau von vorgeformten Stahlträgern, um die Gebirgsdecke abzustützen. Zuletzt wird alles mit Flüssigbeton gesichert. Etwa zwei Stunden dauern diese Sicherungsarbeiten. Dann rückt wieder die Vortriebsmannschaft mit dem Bagger an und gräbt sich den nächsten Abschnitt nach vorn.

Fotos von den Bauarbeiten

Baustelle Tunnel Hirschhagen

Vor dem Westportal wird zurzeit eine Behelfsstraße errichtet. Sie wird asphaltiert, damit die schweren Lkw auch bei Regen, Schnee und Eis zu den Tunnelmündern gelangen. Denn beim Tunnelbau gibt es keine Winterpause.

Video vom Start der Arbeiten am Ostportal im August

Hintergrund

Der Tunnel Hirschhagen wird 4,2 Kilometer lang und 250 Millionen Euro (inklusive die 1,8 Kilometer lange Autobahnstrecke bis Helsa) kosten. Im Rohbau soll er Ende 2017 fertig sein, nach dem Innenausbau kann er 2018 in Betrieb genommen werden. Um die Sicherheit zu erhöhen, werden zwei getrennte Röhren gebaut, für jede Fahrtrichtung eine. Im Notfall können beide Röhren miteinander verbunden werden, 15 Rettungsstollen werden als mögliche Fluchtwege errichtet. Für die Rettung aus dem Tunnel sind die örtlichen Feuerwehren in Helsa und Hessisch Lichtenau zuständig. Sie müssten auch bei einem Unfall während der Bauarbeiten ins Innere vordringen. (hog)

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