Komplizierte Konstellationen

Ausbau im Kreis Kassel: Schnelles Internet jetzt doch für ganz Wattenbach

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Zweigeteiltes Wattenbach: Während im Süden die ACO schon seit einigen Jahren Internet-Dienste anbietet, ging der Norden bislang leer aus. Jetzt aber darf die Breitband Nordhessen ganz Wattenbach ausbauen, weil dort die ACO in all den Jahren nicht flächendeckend gearbeitet hat.

Söhrewald. Der Breitbandausbau kommt überall im Kreisgebiet voran. Verschiedene Akteure sind daran beteiligt. Oftmals ergeben sich komplizierte Konstellationen, die einen Ausbau erschweren oder unmöglich machen. Söhrewald-Eiterhagen ist solch ein Fall.

Während Eiterhagen weiter leer ausgeht, wird Wattenbach nun doch noch komplett vom Ausbau der Breitband Nordhessen profitieren. Damit wird künftig der ganze Ortsteil auch die Internet-Produkte des späteren Netzbetreibers Netcom Kassel buchen können. Das teilt Kathrin Laurier, Geschäftsführerin der Breitband Nordhessen mit. Damit ergibt sich für den Söhrewalder Ortsteil eine völlig neue Situation:

Wattenbach

Bislang sah es so aus, als könne die Breitband Nordhessen nur jene Bereiche in Wattenbach mit Glasfaser ausbauen, die nicht schon von der ACO via Funktechnik versorgt werden. Denn als öffentlich gefördertes Ausbauprojekt darf die Breitband Nordhessen zunächst einmal nicht in Bereiche vordringen, in denen schon ein anderer Anbieter aktiv ist. „Doch greift hier eine besondere EU-Regelung“, sagt Laurier. Weil die ACO nur den südlichen Teil Wattenbachs mit Breitband versorgen kann – und eben nicht flächendeckend den ganzen Ortsteil – darf die Breitband Nordhessen in ganz Wattenbach Breitbandtechnik via Glasfaser installieren. Dies sei durch die EU-Regelung rechtlich abgedeckt. 

Das bedeutet auch: „In Zukunft wird es im Süden Wattenbachs zu einer Konkurrenzsituation zwischen der Netcom und der ACO kommen“, sagt Netcom-Sprecherin Claudia Nörthen.

Eiterhagen

Im Gegensatz zu Wattenbach vermag die ACO den gesamten Ortsteil Eiterhagen flächendeckend mit Funk-Internet abzudecken. „Deshalb kann dort die EU-Regelung nicht greifen“, sagt Laurier. Das heißt, dass die Breitband Nordhessen dort nicht ausbauen darf.

Zwar könnte davon unabhängig auch die Netcom in Eiterhagen eigene Produkte und Dienste anbieten. Jedoch müsste sie dann die technische Infrastruktur der ACO in Anspruch nehmen. Diese wird jedoch in ihrer Leistungsfähigkeit von vielen ACO-Kunden kritisiert. Beispiel Jason Jakobshagen aus Eiterhagen: „Statt der gebuchten 50 MBit bekomme ich im Schnitt immer nur 20 MBit – und das seit Jahren“. Wohl deshalb teilt die Netcom denn auch mit: „Wir werden vorerst nur in den Bereichen Produkte anbieten, die durch die Breitband Nordhessen ausgebaut werden“, sagt Nörthen.

So wird Eiterhagen weiterhin auf schnelles Internet via Glasfaser warten müssen. Zerschlagen hat sich nun auch die Hoffnung, dass Fördermittel vom Bund die Situation in Eiterhagen verbessern können. Bekanntlich will der Landkreis Kassel einen entsprechenden Förderantrag stellen – 23 Ortsteile im Landkreis sollen davon profitieren, Eiterhagen ist aber nicht dabei. Der Grund: Formal liefert ACO Eiterhagen immer noch mehr, als die Förderkriterien des Bundes verlangen, also mehr als 30 MBit pro Sekunde – unabhängig davon, ob die 30 MBit auch tatsächlich beim Kunden ankommen.

Wellerode

Wellerode wird aktuell komplett von der Breitband Nordhessen ausgebaut, sodass nach Beendigung der Bauarbeiten flächendeckend die Dienste der Netcom in Anspruch genommen werden können.

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