Leiter: „Dann ist die Schule tot“

Ausbildungszweig an der Willy-Brandt-Schule steht vor dem Aus

PTA-Ausbildung in Kassel: Beim Tag der offenen Tür zeigte Lilli Dewold (19, links) der 14-jährigen Larissa Schomberg, was so alles im Labor zu tun ist. Der Ausbildungzweig in der Landkreisschule ist allerdings gefährdet. Foto: Dilling

Kreis Kassel. Die Tradition der Ausbildung zur Pharmazeutisch-Technischen-Assistentin (PTA) im Landkreis Kassel ist lang. Doch mit dem möglichen Ende einer EU-Förderung im kommenden Sommer steht der gesamte Ausbildungszweig an der Willy-Brandt-Schule (WBS) in Oberzwehren auf der Kippe.

Bei Gesprächen zwischen Landkreis und Schulleitung am morgigen Mittwoch sollen nun Rettungsansätze diskutiert werden. „Ich muss schließlich wissen, ob ich für das kommende Jahr Schüler annehmen kann“, sagt Schulleiter Reiner Heine.

Schulleiter Reiner Heine

110 angehende PTA aus ganz Nordhessen und angrenzenden Bundesländern gibt es derzeit an der Schule, die von der kreiseigenen Beschäftigungsgesellschaft Agil betrieben wird. Junge Frauen und Männer aus dem Landkreis zahlen ein monatliches Schulgeld von 169 Euro, Externe müssen 196 Euro auf den Tisch blättern.

Normalerweise wäre das Schulgeld wesentlich höher, wenn nicht EU und Land pro Monat 125 Euro pro Schüler dazugäben, erläutert Heine. „Wenn die Ausbildung von der Freien Wirtschaft organisiert würde“, so Heine, „müsste ein Schüler 500 bis 600 Euro monatlich zahlen“.

Der Schulleiter hält demnach die Bezuschussung aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) sowie aus dem Haushalt des Landkreises (mindestens 30 000 Euro pro Jahr) für eine gute Investition in die Zukunft junger Menschen. „Es ist schließlich in Nordhessen der sicherste Beruf, den es überhaupt gibt.“ Nahezu alle Absolventen kämen in pharmazeutischen Berufen unter.

Sollten die ESF-Mittel sowie der Zuschuss des Landkreises wegbrechen, dann wäre das nach den Worten des Schulleiters das Ende der PTH-Ausbildung an dem nordhessischen Standort. „Dann ist die Schule tot.“

Berufsschule des Landkreises: Die Willy-Brandt-Schule in Oberzwehren bildet schon lange Pharmazeutisch-Technische-Assistentinnen aus. Archivfoto: Socher/nh

Dass es Gespräche zwischen Landkreis und Schulleitung gibt, bestätigt auch Kreissprecher Harald Kühlborn. Einen Lösungsansatz für die Rettung gebe es allerdings aus Kreissicht nicht. Der Landkreis könne jedenfalls keine zusätzliches Geld für die Willy-Brandt-Schule aufwenden, sagt er. „Zu einer Drittmittelfinanzierung wüsste ich zur Zeit keine Alternativen.“ Das Hesische Sozialministerium, zu dem die Schule gehört, kündigte für Dienstag eine Stellungnhame an.

Von Sven Kühling

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