Streit um Pferd, Hunde und Tritte – Verfahren wegen Körperverletzung vorläufig eingestellt

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Begegnungen in der Natur: Reiter wie auf unserem Symbolbild pflegen unterwegs genauso wie Radfahrer oder Spaziergänger in aller Regel einen friedfertigen Umgang miteinander. Bei Ahnatal-Weimar jedoch kam es zu einem handgreiflichen Konflikt.

Kassel/Ahnatal. Mit einer Geldbuße zugunsten des Tierschutzvereins Wau-Mau-Insel geht gestern ein Strafprozess zu Ende, in dem vier Hunde, zwei Pferde und ein Drahtesel eine Rolle spielen.

Ein 65-jähriger Ahnataler, ursprünglich der schweren Körperverletzung angeklagt, soll 1200 Euro zahlen. Dann werde das Verfahren gegen ihn eingestellt, erklärt Richter Arenz.

Etwas mutig hat das Amtsgericht nur eine Stunde für die Verhandlung angesetzt. Doch der Angeklagte hat viel zu berichten. Zehn Seiten Text inklusive Fotos hat er vorbereitet, um zu erklären, was sich vor knapp einem Jahr in der Feldgemarkung bei Ahnatal-Weimar zugetragen habe: nicht das nämlich, was die Anklage ihm vorwarf.

„Wie im Wahn“, so hat Amtsanwältin Iris Böttner vorgetragen, solle der 65-Jährige einer 44-jährigen Reiterin in den Unterleib getreten haben. Zuvor solle er ihrem Pferd mit dem Rad in die Hinterbeine gefahren sein – nach einem Wortgefecht. Und schließlich habe er der Frau mit der Faust gegen den Kopf geschlagen.

Der Angeklagte bestreitet das komplett. Klar ist: Er grollt den Reiterinnen, bringt sie mit Sorgen um seinen jungen Hund in Verbindung. Aber er sagt, er habe keinen Tritt, keinen Schlag ausgeführt und als Pferdefreund müsse er „lebensmüde sein“, um die geschilderte Rad-Attacke zu starten. Vielmehr sei er vom Hund einer zweiten Reiterin gebissen worden. Dieses Detail wird dreidimensional illustriert: Aus einer kleinen Plastiktüte holt der Angeklagte ein Taschentuch mit älteren Blutflecken. Eine Zuschauerin stöhnt. Der Richter ordnet an, das Ding nicht auf den Tisch zu legen: „Da wollen auch noch andere sitzen.“

Nach alledem erst sind die Reiterinnen dran. Die 44-Jährige muss fast weinen, als sie ihre Version erzählt: Wie sie nicht gewusst habe, was der schimpfende Mann von ihr will, wie er dem Pferd in die Hinterbeine gefahren sei, das Tier einen Riesensatz machte. Wie der Hund der Freundin die Hunde des 65-Jährigen „aufgemischt“ und der Mann ihn am Fell hochgezogen habe.

Sie habe eingreifen wollen und in der Folge den Tritt abbekommen – und einen Schlag von hinten auf den Reithelm. Die körperlichen Folgen, die sie schildert, sind nicht gravierend. Psychisch sei sie noch immer belastet.

Verteidigerin Gudrun Meyer plädiert nicht offiziell, aber eindringlich: Alle Beteiligten seien stark emotional beteiligt. Bei ihrem Mandanten äußere sich das nicht in Tränen, sondern in wortreichen Ausführungen. Man stehe ratlos vor dem Sachverhalt – und alle Beteiligten täten das Vernünftigste: „Sich aus dem Wege zu gehen.“

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