Ausstellung zum 50. Todestag einer Hebamme

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Erinnerung an Hebamme: Über 40 Jahre war die Hebamme Martha Elisabeth Icke in Fuldabrück tätig. Tochter Martha Buss (von links) und Marianne Herlitze berichteten Gerhard Meil vom Geschichtsverein über das Leben der Hebamme. Hier zeigen sie den historischen Hebammenkoffer mit den Instrumenten. Fotos: privat / nh / Repros: Büntig

Fuldabrück. Die meisten Dörnhagener Bürger, die zwischen 1911 und 1953 geboren wurden, haben etwas gemeinsam: Sie wurden von der Hebamme Martha Elisabeth Icke ins Leben gehoben.

In einer Ausstellung zum 50. Todestag wird Martha Icke nun in Fuldabrück gewürdigt.

Ihrer ersten Geburtshilfe am 28. September 1911 bei Heinrich Maurer folgten fast 1400 weitere - die meisten in Dörnhagen, weitere in Denn- und Dittershausen und in zahlreichen Nachbarorten, in denen sie ab 1924 auch als Bezirkshebamme tätig war.

Auf der Suche nach Zeitzeugen zur Vergangenheit von Dörnhagen stieß Gerhard Meil vom Heimat- und Geschichtsverein auf Martha Buss, die sich noch sehr gut an die Tätigkeit ihrer Mutter als Hebamme erinnert.

„Das Leben und Wirken unter den damaligen Bedingungen ist so interessant, dass wir das Thema zum 50. Todestag mit einer eigenen Ausstellung aufgegriffen haben“, berichtet Meil, der in zahlreichen Gesprächen mit Martha Buss Fakten und Anekdoten sammelte.

Originalexponate wie Hebammenkoffer, Umhang sowie zahlreiche Dokumente und Urkunden aus dem Familienbesitz der Enkelin Marianne Herlitze wurden dem Verein zur Verfügung gestellt.

In einer Zeit ohne Autos war Hebamme „Marthlies“ Icke gezwungen, die Geburtshäuser zu Fuß oder ab 1928 per Rad aufzusuchen - Tag und Nacht, Sommer wie Winter. Manchmal hatte sie das Glück, auf Fuhrunternehmer Jakob Gude zu treffen, der täglich Milch zur Molkerei fuhr. Ausgestattet mit einem Schemelchen zum Einsteigen nutzte die „Icksche“, wie sie auch genannt wurde, gerne diese Mitfahrgelegenheit.

Da nur Risikoschwangerschaften in der Klinik versorgt wurden und der nächste erreichbare Arzt lediglich in Notfällen aus Guxhagen hinzugezogen wurde, war die Hebamme alleinverantwortlich für Schwangerschaftsbetreuung, Geburtshilfe, Wochenbett und Nachsorge.

Tochter Martha Buss berichtet, dass sie bereits mit elf Jahren ein Zettel mit Anweisungen erwartete, wenn die Mutter unterwegs war. Dann galt es, die Ziegen zu füttern und zu melken sowie Schweine und Hühner zu versorgen. „Das war aber besser, als wenn ich die Aufträge mündlich in der Nacht bekam, dann musste ich morgens sehr aufpassen, um nichts zu vergessen“, erinnert sich die heute 95-Jährige.

Die besondere Verbundenheit von Martha Elisabeth Icke zu „ihren“ Schützlingen zeigte sich auch daran, dass sie die Täuflinge persönlich in die Kirche trug und ihnen bis 1940 zum ersten Geburtstag eine Tasse schenkte. Anlässlich ihres 25-jährigen Berufsjubiläums stiftete sie 1936 der evangelischen Kirchengemeinde Dörnhagen ein Altartuch mit dem Schriftzug „Lasset die Kindlein zu mir kommen“.

Kurz nach ihrem 40-jährigen Berufsjubiläum 1951 verabschiedete sie sich mit 68 Jahren aus dem Berufsleben und verstarb 1965 im 80. Lebensjahr.

Die Ausstellung mit 15 Schautafeln wird beim Erntedankfest am 4. Oktober nach dem Gottesdienst in der Kirche in Dörnhagen eröffnet. Im Anschluss kann die Dokumentation bis zum 17. Oktober im Foyer des Fuldabrücker Rathauses in Dörnhagen besucht werden.

Von Sabine Büntig

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