Auch auf A7 bei Kassel zu wenig Platz

Autobahnbaustellen in Hessen: Nicht überall Rettungsgasse möglich

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Zu schmal im Falle eines Unfalls: Auf der A7-Baustelle zwischen Kassel-Mitte und Kassel-Ost sind die drei Spuren nur 3,25 Meter, 2,75 Meter und 2,60 Meter breit (insgesamt 8,60 Meter). Unser Bild zeigt die verkürzte, nur 120 Meter lange Behelfsauffahrt bei Kassel-Mitte auf die A7. Dort hatte sich am 28. Februar 2017 der Unfall ereignet.

Lohfelden. Bei Rettungsgassen in Autobahnbaustellen gehen Theorie und Praxis weit auseinander. Die Antwort des Landes auf die Anfrage der SPD-Abgeordneten Timon Gremmels, Uwe Frankenberger und Wolfgang Decker „fällt ernüchternd aus“, sagt Gremmels.

Im Prinzip werde zugegeben, dass keinesfalls bei allen Autobahnbaustellen in Hessen die Bildung einer Rettungsgasse nach einem Unfall überhaupt möglich ist.

Dabei bezieht er sich auch auf den A7-Unfall am 24. Februar bei Lohfelden, bei dem Rettungskräfte und Polizisten zwei Kilometer zu Fuß zur Unfallstelle laufen mussten, weil von Autofahrern keine Rettungsgasse freigehalten worden war. Zunächst zielte die Kritik auf „rücksichtslose Verkehrsteilnehmer“ ab, dann jedoch zeigte sich, dass in der A7-Baustelle zwischen Kassel-Mitte und Kassel-Ost die Fahrspuren so schmal markiert sind, dass selbst bei bestem Willen keine Rettungsgasse gebildet werden kann.

Das aber wird offensichtlich in Kauf genommen. „Aufgrund der engen Fahrbahn in Baustellen auf Autobahnen ist es schwierig, Platz für zu bildende Rettungsgassen vorzuhalten“, heißt es denn auch in der Antwort der Landesregierung. Grundsätzlich richteten sich die Fahrstreifenmindestbreiten in Baustellen nach den Vorgaben des Bundes.

A7: Teilweise fehlen Zentimeter für Rettungsgasse

Zumindest das Beispiel A7 aber zeigt: Diese Vorgaben reichen nicht. Denn tatsächlich kommen zwischen Kassel-Mitte und Kassel-Ost drei Spuren auf eine Gesamtbreite von nur 8,60 Metern. Fahren ein Lkw und zwei Pkw nebeneinander, ergibt das – wohlwollend gerechnet – eine Breite von schon 6,55 Metern. Was bleibt, wären 2,05 Meter für eine Rettungsgasse. Ein Rettungswagen jedoch, etwa ein Mercedes-Benz Sprinter Kastenwagen, ist 2,16 Meter breit. Es fehlen also elf Zentimeter für eine annähernd ausreichend breite Rettungsgasse.

Die Empfehlung des Landtags: „Allerdings kann eine Unfallstelle in Baustellen im Falle von Vollsperrungen aus der Gegenrichtung angefahren werden“. „Das ist richtig“, sagt Polizeisprecher Torsten Werner. Dennoch müsse zunächst sichergestellt werden, dass es durch den Unfall tatsächlich schon zu einer Vollsperrung gekommen ist. Erst dann sei es aus Sicherheitsgründen vertretbar, Rettungskräfte auch in Gegenrichtung anfahren zu lassen. „Um genau das zu klären, musste die Polizei am 28. Februar zunächst einmal selbst über den Normalweg zur Unfallstelle kommen“, sagt Werner. Dort sei sie dann aber im Stau stecken geblieben – wie alle anderen auch.

Gremmels zumindest hält nicht viel von den Antworten des Landtages auf die Kleine Anfrage. „Das zeigt, dass die politische Forderung nach sicheren und ausreichend breit angelegten Baustellendurchfahrten weiterhin aufrecht erhalten bleiben muss“.

SPD fordert Notöffnungen in Leitplanken

Zur besseren Erreichbarkeit von Unfallstellen in Autobahnbaustellen fordert die SPD auch den Einsatz von Notöffnungen in transportablen Mittelleitplanken, sodass Rettungskräfte auch von der Gegenseite aus schnell einen Unfallort erreichen können. Das Land weist darauf hin, dass der Einsatz solch flexibler Planken erst 2015 eingeführt worden sei, sodass die A7-Baustelle bei Kassel, die seit 2014 besteht, damit noch nicht ausgestattet sei. Mit Blick auf die Anzahl der Motorräder bei der Autobahnpolizei teilt das Land mit, dass sich 21 Maschinen auf die sieben Polizeiautobahnstationen verteilen. Ein Motorrad hätte am 28. Februar den Unfall auf der A7 erreichen können, war aber nicht eingesetzt worden.

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