Ein Original stammt aus 1740

Breitenbacher baut historische Tasteninstrumente nach

Schauenburg. „Bach spielt man nicht auf dem Flügel, sondern auf dem Cembalo“, sagt Jürgen Ammer. Er liebt die Musik des deutschen Barock-Komponisten, der 1685 in Eisenach geboren wurde und 1750 in Leipzig starb. Gerade hat der Instrumentenbauer, der in Breitenbach lebt, ein neues Cembalo fertiggestellt.

„Ich habe es der Fachwelt noch nicht präsentiert“, verrät er. Es ist der Nachbau eines Originals aus der Zeit um 1740.

Restauratoren des Kunstgewerbemuseums in Dresden hatten Jürgen Ammer erlaubt, ihr gut erhaltenes Original zu vermessen. Vier Jahre lang haben Jürgen Ammer und sein Sohn Sebastian in ihrer Freizeit an dem Nachbau gearbeitet. „Das Original in Dresden trägt keine Signatur. In Warschau gibt es aber ein baugleiches Instrument, das von Zacharias Hildebrandt (1688 bis 1757) stammt. Er war Bachs Cembalo-Bauer in Leipzig“, berichtet Jürgen Ammer.

Sein älterer Sohn Sebastian Ammer (40) arbeitet inzwischen seit zehn Jahren im Betrieb mit. Der gelernte Schreiner, der sich im Sommer auch um den Verleih von historischen Instrumenten an europaweit stattfindende Festivals kümmert, hat die Intarsien, die Einlegearbeiten, für das neue Cembalo gefertigt.

Vier Jahre Arbeit: Jürgen Ammer (Bild) und sein Sohn Sebastian haben ein Cembalo aus der Zeit um 1740 nachgebaut. Das Original-Instrument befindet sich in Dresden. Die goldene Ammer (kleines Foto) ist inzwischen zum Markenzeichen des Betriebes geworden.

„Für ein gutes Instrument benötigt man astfreies Holz von Fichten mit Haselwuchs“, erläutert Jürgen Ammer und zeigt die Zickzack-Maserung bei einem Cembalo, dessen Resonanzboden er gerade erneuert. „Solche Bäume werden zwischen Weihnachten und Neujahr bei Neumond geschlagen, da sie zu dieser Zeit am wenigsten im Saft stehen“, erklärt der 68-Jährige. Statt synthetischen Klebers verwendet er stets tierischen Leim. Schwarze Tasten werden mit Ebenholz beschichtet, die weißen aus Rinderknochen hergestellt.

„So klingt nur Mondphasenholz“, sagt Jürgen Ammer, als er eine Eigenkomposition auf seinem neuen Instrument spielt. Der Schreiner und Ingenieur für Holztechnologie schreibt gerade an einem Buch über Bach und dessen Cembali. „Wenn meine Theorie über die Herkunft des Originals in Dresden stimmt, bin ich der einzige Cembalo-Bauer der Welt, der bisher drei verschiedene Instrumente, die mit Bach zu tun haben, nachgebaut hat“, sagt er.

Bau und Restaurierung historischer Tasteninstrumente in Schauenburg

Jürgen Ammer hatte zunächst das Cembalo, das im Original im Bachhaus in Eisenach zu finden ist, im Laufe der Jahre über 70-mal nachgebaut. Vor einigen Jahren schuf er darüber hinaus erstmals einen Nachbau von Bachs erstem Cembalo. Das Original ist im Berliner Museum für Musikinstrumente zu finden. Nun ist noch eine dritte Variante hinzugekommen.

Hintergrund: Thüringer Spezialwerkstatt 1927 gegründet

Die Firma Ammer-Spezialwerkstätten für historische Tasteninstrumente wurde 1927 von den Brüdern Michael und Alois Ammer gegründet. Sie kamen aus Bayern nach Eisenberg in Thüringen, um bei ihrem Onkel in dessen Klavierfabrik zu arbeiten. In der Nachfolge hat Jürgen Ammer seinen Betrieb 1990 in Trendelburg gegründet, seit 2001 ist er in Schauenburg-Breitenbach ansässig.

Neben Cembali (liegenden Harfen mit Anzupfmechanik, die mit Kielen gespielt werden) ist er auf Hammerklaviere spezialisiert. Sie sind die Vorläufer von Flügeln und werden mit kleinen Lederhämmern angeschlagen.

Kontakt: Jürgen Ammer, historische Tasteninstrumente, Langenbergstraße 9, Schauenburg-Breitenbach, Tel. 056 01/ 92 94 01. Infos unter www.ammer-cembalo.de (Bau, Reparatur, Instrumentenverleih und Konzertservice)

Von Bettina Wienecke

Rubriklistenbild: © Wienecke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.