Seit zehn Jahren Naturerlebnisbecken in Niestetal – Anfangsprobleme längst behoben

Badeteich schlug Wellen

Still ruht der See: Für den Badespaß ist es langsam etwas kalt, das Naturerlebnisbad in Niestetal schließt zum Wochenende für diese Saison. Dann kann sich der See wieder regenerieren, der Pflanzengürtel (links) filtert das Wasser und sorgt mittlerweile für eine gute Wasserqualität. Foto: Schindler

Niestetal. Es war eine schwierige Geburt: Über mehrere Jahre sorgte das Naturerlebnisbad in Niestetal durch Keime im Wasser für Schlagzeilen, doch mittlerweile ist Ruhe eingekehrt. Der sich auf natürliche Weise selbst reinigende Badeteich – damals einer der ersten seiner Art in Deutschland – funktioniert endlich. Seit zehn Jahren besteht dieses Freibad am Ufer der Nieste. Gelegenheit, Bilanz zu ziehen.

Das Malheur des Schwimmteichs begann gleich im ersten Jahr. Das alte Freibad von 1963 war 1999 geschlossen und aus Kostengründen zu einem Naturbadeteich umgestaltet worden. 2001 wurde das neue Naturerlebnisbad mit großen Hoffnungen eröffnet, umgerechnet 1,8 Millionen Euro hatte die Gemeinde investiert, die Freibad-Sanierung hätte ein Vielfaches gekostet. Doch schon nach kurzer Zeit gab es Probleme: Nach einer Meningitis-Welle geriet auch der Badeteich in Verdacht; nachgewiesen worden sei aber nichts, erinnert sich Heike Pflüger von der Gemeindeverwaltung.

In den folgenden Jahren musste der Badeteich immer wieder mal wegen Keimbelastung geschlossen werden: Staphylokokken waren im Wasser, E-Coli-Bakterien und Enterokokken. Heute sind diese Probleme behoben. „Seit vier, fünf Jahren läuft es richtig gut, ohne eine Schließung“, sagt sie. „Wir haben alles getan, um heute eine gute Wasserqualität zu haben.“

Es war ein langer Lernprozess. Ein runder Tisch mit Experten des Kreisgesundheitsamts, Fachplanern und der Uni Kassel wurde damals eingerichtet. Im Lauf der Zeit zeichnete sich ab, dass man zu Beginn zu sehr auf Technik vertraut hatte. Mit leistungsfähigen Pumpen wurde – entsprechend den Vorgaben – das Wasser durch den Pflanzenfilter gedrückt.

Zu schnell, wie man heute weiß. „Die Pflanzen brauchen Zeit, um das Wasser zu filtern“, sagt Andreas Lüning, im Niestetaler Bauamt für den Badeteich zuständig. Die Anforderungen an die Wasserqualität sind hoch. So liege der Grenzwert bei E-Coli-Bakterien für den Niestetaler Kleinbadeteich bei 100, in der Kasseler Buga – als EU-Gewässer – gelte das Wasser bis zu einem Wert von 1000 als badetauglich. Auch wenn es immer noch viele Skeptiker gibt, die Badegäste nehmen das Naturerlebnisbad mittlerweile gut an. 30 000 Besucher nutzen im Durchschnitt pro Jahr das ansprechend gestaltete Freizeitgelände. Wegen des schlechten Sommers waren es dieses Jahr allerdings nur etwa 15 000. Bei jungen Leuten ist der Badeteich am beliebtesten: „Die 14- bis 20-Jährigen nutzen ihn gern“, sagt Lüning. Darüber hinaus gibt es einen Stamm von älteren Frühschwimmern. Andere kommen nur zum Sonnenbaden und genießen das naturnahe Gelände mit Schilfgräsern und anderen Wasserpflanzen.

Nach den anfänglichen Turbulenzen, die im Niestetaler Rathaus für viel Schweiß und Ärger sorgten, freut man sich dort jetzt einfach „über so ein naturgestaltetes Freibad, das nicht jeder hat“.

Die Badegäste können sich mitfreuen – wegen der guten Wetterprognosen bleibt das Naturerlebnisbad bis einschließlich 3. Oktober (7 bis 20 Uhr) geöffnet. STICHWORT

HINTERGRUND

Von Holger Schindler

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