Unternehmen: Stadt kam mit Beschluss für Weg zu spät – Platte leicht zu entfernen

Baustelle am Guntershäuser Bahnhof: Bahn macht Tunnel dicht

Verschlossen: Die Bahn hat die von rechts kommende Unterführung mit einer Betonplatte dicht gemacht. Es bleibt nur ein Treppenaufgang zum neuen Bahnsteig. Wenn die Stadt ihren Weg (nach links) in den Ort baut, muss die Wand wieder entfernt werden. Foto: Kühling

Baunatal. Wer derzeit einen Blick auf die Baustelle am Guntershäuser Bahnhof wirft, der reibt sich verwundert die Augen. Die von der Stadt für 2012 geplante Anbindung der neuen Unterführung auf der Ostseite in Richtung Ort wird jedenfalls nicht so einfach zu realisieren sein wie angenommen.

Die Bahn hat die Unterführung mit einer dicken Betonwand samt Erdwall dahinter verschließen lassen. Der Durchstich aus dem Tunnel heraus Richtung Fuldatalstraße ist damit verschwunden. Der Betrachter stellt sich die Frage: Haben Stadt und Bahn aneinander vorbei geplant?

Die Frage beantwortet ein Sprecher der Bahn in Frankfurt mit „ja“. Grundsätzlich sei die Stadt Baunatal mit ihrem Entschluss, den Weg zum Ort zu bauen, zu spät gewesen, sagt der Sprecher. Da seien die Planungsverfahren für die Unterführung beim Eisenbahnbundesamt mit Baugenehmigung und Bauabnahme beendet gewesen.

Bei der Betonwand, so sagt der Bahnsprecher, handele es sich um einen temporären Abschluss, eine so genannte Verschlussplatte. „Diese kann relativ leicht wieder entfernt werden, wenn die Stadt nach Finanzierung der Planung so weit ist.“

„Offen lassen durften wir das neue Bauwerk nicht“, sagt er. Aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht sei ein Abschluss erforderlich. Über Kosten der Wand macht der Sprecher keine Angaben. Baunatals Erste Stadträtin Silke Engler-Kurz sieht den Verschluss der Unterführung nicht so dramatisch. „Wenn die Wand leicht zu entfernen ist, ist das nicht von so großer Bedeutung“, sagt sie. Die Wand habe für die Unterführung jedenfalls keine statische Funktion.

In der Tat: Während Stadt und Bahn über eine mögliche Wegeanbindung auf der Ostseite stritten, liefen die Planungsschritte des Unternehmens im Hintergrund weiter. Die Stadt Baunatal hatte den Bau des Weges immer wieder abgelehnt. Das Rathaus hatte den Standpunkt vertreten, dass das Verkehrsunternehmen einen Weg in den Ort selbst bauen und bezahlen müsse. Schließlich gehe es um Bahngelände und die Kunden der Bahn.

Das Unternehmen hatte im Gegenzug betont, dass der Bahnhof eine solche Investition aufgrund der zu geringen Fahrgastzahlen nicht rechtfertige. Die Kommune müsse eine solche Verbindung selbst bauen und finanzieren.

Am Zeitplan ändert sich laut Engler-Kurz nichts. In diesem Jahr soll der Weg Zur Fuldatalstraße geplant werden, Anfang 2012 werde mit dem Bau begonnen. Die Stadt rechnet mit Kosten von 350 000 Euro. 50 bis 60 Prozent Förderung von Land und Bund stehen in Aussicht.

Von Sven Kühling

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