Seit einer Woche Bus-Ersatzverkehr für Lossetalbahn – KVG weist Kritik zurück

Bahnen bleiben im Depot

Trostlose Leere: Nichts geht auf den Gleisen der Lossetalbahn bei Kaufungen, wegen beschädigter Signalkabel können die Straßenbahnen seit einer Woche nicht fahren. Der Betrieb wird mit Ersatzbussen aufrechterhalten. Fotos: Koch; Schölzchen/nh

Kaufungen/Helsa. Bei der Suche nach den Kabeldieben, die am vergangenen Donnerstag an der Lossetalbahn bei Kaufungen Signalleitungen beschädigt haben, tappt die Polizei im Dunkeln.

„Die Ermittlungen laufen, aber wir haben noch nichts Konkretes“, sagte Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch auf Nachfrage. Wenn sich nicht noch Zeugen melden, werde es schwierig, die Täter zu ermitteln. Ihnen wird Sachbeschädigung und schwerer Eingriff in den Bahnverkehr vorgeworfen.

Indessen regt sich Unmut darüber, dass die Strecke auch nach einer Woche immer noch nicht für Straßenbahnen befahrbar ist, sondern behelfsmäßig weiter mit Bussen versorgt wird. „Die Reparatur ist sicher aufwendig, trotzdem bleibt die Frage, ob man sich auf solche Fälle nicht besser vorbereiten kann. Was die Einrichtung des Bus-Ersatzverkehrs anbelangt, kann man es mit Sicherheit. Aber es sind ja nur die Bewohner der Lossetal-Gemeinden“, stellt HNA-Leser Richard Kallok im Internetforum sarkastisch fest.

KVG-Sprecherin Heidi Hamdad weist die Kritik zurück. „Wir geben unser Bestes“, sagte sie der HNA. Man fahre Sonderschichten rund um die Uhr, Busfahrer seien aus dem Urlaub zurückbeordert worden. Im Übrigen sei nicht die KVG für die Probleme verantwortlich, sondern Kriminelle, die zur Rechenschaft gezogen werden müssten. „Es handelt sich hier um eine Straftat, und wir sind die Leidtragenden“, stellt sie klar.

Warum wurde nicht Vorsorge für so einen Fall getroffen? Dies sei nicht möglich, meinte die KVG-Sprecherin, „kein Betrieb kann sich heute große Reserven leisten“. Man habe Wartungsverträge, aber die greifen hier nicht.

Nur zwei Firmen in Deutschland könnten die Spezialkabel verarbeiten, so Hamdad weiter. Bis in Brasilien habe Siemens in den vergangenen Tagen nach Spezialisten gesucht, gestern seien sie in Kassel eingetroffen und hätten sich an die Arbeit gemacht. Auch die Kabel seien nicht vorrätig, sie würden auf Bestellung gefertigt, Lieferzeit: sechs Wochen. „Wir haben sie innerhalb von fünf Tagen von Baustellen beschafft“, sagt die KVG-Sprecherin.

Am Donnerstag soll ein sogenannter Inbetriebsetzer die Strecke testen; auch Probefahrten seien nötig, bevor man wieder Fahrgäste befördern könne. Wann dies möglich sei, das könne zurzeit niemand sagen.

Probleme gibt es auch mit den großen Gelenkbussen, die sich nun mitten durch Oberkaufungen und Helsa quälen. „Staus halten sich in Grenzen“, sagte der Kaufunger Hauptamtsleiter Carsten Marth, im Berufsverkehr werde es aber eng.

Auf den Hinweis eines HNA-Lesers, dass die Ersatzfahrpläne bisher nicht an den Haltestellen ausgehängt waren, reagierte die KVG umgehend. Sie seien am Mittwoch aufgehängt worden, sagte die Sprecherin.

Infos: www.kvg.de NVV-Service: 0180-234 0180

Von Holger Schindler

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