Lärmschutz stand bei Infoabend im Mittelpunkt

Bahnhof wird Baustelle: Drittes Gleis in Obervellmar

Vellmar. Für die Anwohner des Bahnhofs in Obervellmar und des künftigen Regiotram-Haltepunkts Ahnatal-Casselbreite wird es ein unruhiger Sommer: Ab Mai gehen die Arbeiten für den Bau des dritten Gleises im Bahnhof in die heiße Phase.

Beim Infoabend im Bürgerhaus Obervellmar stellte Hans-Josef Otterbein, Projektleiter der Bahn, den Fahrplan des 22 Millionen Euro teuren Projekts, das bis Dezember 2012 abgeschlossen werden soll, den 150 Zuhörern vor. Im Mittelpunkt stand dabei der Schallschutz für die Anwohner. Die Kritik an dem Vorhaben aus dem Publikum hielt sich in Grenzen.

Mit dem Bau des dritten Gleises im Bahnhof und dem zweispurigen Ausbau des Regiotram-Schienenstrangs bis Heckershausen kommt der Lärmschutz an der vor allem von vielen Güterzügen befahrenen Strecke für die Anwohner auf den Prüfstand. Deshalb werden zwischen der Speicheranlage in Obervellmar und der Harleshäuser Straße in Heckershausen Lärmschutzwände errichtet. Außerdem kommen laut Otterbein 300 Häuser für sogenannte passive Lärmschutzmaßnahmen in Betracht:

Dort sollen bis zum Sommer 2012 auf Kosten der Bahn unter anderem Schallschutzfenster und Lüfter mit Lärmschutz eingebaut werden. Betroffene Hausbesitzer können sich bei der Bahn melden, die lässt den Schallschutz an den Gebäuden begutachten. Die Eigentümer müssten dann drei Angebote von Handwerkern einholen, der Bahn zur Prüfung vorlegen und dann selbst in Auftrag geben, sagte Otterbein. Das stieß bei Frank Steinhoff, betroffener Anwohner aus Obervellmar auf Widerspruch. „Die Bahn macht es sich einfach“, sagte er. Es könne nicht sein, dass sich die Hausbesitzer selbst um den Lärmschutz kümmern müssten.

Otterbein versprach, dieses Verfahren zu überprüfen. In den nächsten Wochen würden an die Anwohner Info-Faltblätter verteilt und ein Ansprechpartner der Bahn benannt, kündigte der Bahn-Projektleiter an.

Kritik übten einige Bürger auch an den von der Bahn bereits begonnenen Vorarbeiten. Kurt Müller ärgert sich über die Rodungen im Bereich des Speichers in Obervellmar. „Da steht kein Baum und kein Strauch mehr“, sagte er. Die Arbeiten an der Brückenstraße seien ein schlimmer Eingriff in die Naturlandschaft, kritisierte eine weitere Bürgerin. Otterbein wies die Vorwürfe zurück. Die Bahn stehe in ständiger Abstimmung mit der Naturschutzbehörde und sorge schon jetzt für Ausgleichsmaßnahmen. (pdi)

Von Peter Dilling

Hintergrund: Strecke im Sommer gesperrt

Die Arbeiten an der zwei Kilometer langen Bahnstrecke zwischen Obervellmar und Heckershausen sollen nächstes Jahr fertig werden. Dabei bekommt nicht nur der Bahnhof Obervellmar ein drittes Gleis: Die Regiotram-Strecke nach Wolfhagen wird bis zum neuen Haltepunkt Casselbreite in Heckershausen zweigleisig ausgebaut und laut Projektleiter Hans-Josef Otterbein mit modernsten Signalanlagen versehen. Die Erdarbeiten für die Verbreiterung des Bahndamms an der Unterführung der Brückenstraße in Vellmar haben schon begonnen. Der bisher unbeschrankte Bahnübergang an der Harleshäuser Straße in Heckershausen wird etwas versetzt, er erhält zwei Halbschranken und ein Warnsystem. Vor allem wegen der Schulkinder, die den Übergang benutzen, sorge man für höchste Sicherheit, sagt Otterbein. Wegen der Arbeiten werde die Strecke die Sommerferien über gesperrt bleiben, kündigte der Projektleiter an. Auch danach könne es noch einige kürzere Sperrungen geben. Ab Mai will die Bahn mit Hochdruck bauen. Dazu gehört eine Stützmauer neben dem geplanten dritten Gleis, die den südlichen Hang am Bahnhof Obervellmar abfängt. Darauf wird eine Schallschutzwand gesetzt, um die Anwohner vor Lärm zu schützen. Diese und die weiteren Schallschutzwände sollen nach Auskunft von Otterbein noch dieses Jahr fertig werden. Auch der geplante neue Mittelbahnsteig in Obervellmar soll noch dieses Jahr begonnen werden. Daneben sorgt die Bahn mit einer Treppenanlage und einem Fahrstuhl für einen komfortableren Zugang zum Bahnhof. Das wird ein Provisorium sein, weil später die Brücke der Harleshäuser Straße, die über den Bahnhof führt, saniert werden muss. Das dritte Gleis soll mit dem NVV-Fahrplanwechsel 2012 in Betrieb gehen. Offen sei aber noch, ob die Vellmarer dann einen direkten Anschluss an den Fernbahnhof Wilhelmshöhe erhalten, sagte Christoph Funke vom NVV. Das werde noch geprüft. (pdi)

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